Humanitäre Cuba Hilfe e.V.  
Medizinische Hilfslieferungen, humanitäre, kulturelle und politische Projekte, Informationsarbeit

www.hch-ev.de

HCH: Humanitäre Cuba Hilfe
- ein Stück menschlicher Solidarität jenseits politischen Kalküls und ideologischer Starre, Begegnungen zwischen Menschen -


Cubanischer Oldtimer Cubanische Kinder spielen Schach Saxophonspieler auf Cuba Cubanische Hausansicht Aufforderung das Embargo zu stoppen


INFORMATIONEN ÜBER LAND UND LEUTE, ÜBER DIES UND DAS

Es fällt nicht leicht, einem Land wie Cuba gerecht zu werden. Die vielen Bilder, historischen Reminiszenzen und Träume von der Insel sind einem nüchternen Urteil eher hinderlich, auch die tausend Klischees, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Vor allem aber der Umstand, dass die Physiognomie der Insel und die Identität der Cubaner die längste Zeit unter der spanischen Kolonialherrschaft und dem "American way of  life" verschüttet, zumindest davon verzeichnet waren. Die Cubaner haben erst vor einigen Jahrzehnten ihre Geschicke selbst in die Hand genommen. Aber sie haben das Entwicklungsland, das Cuba immer noch ist, nicht aus dem Bannkreis der Großmächte lösen können. Ein leidiges Maß an Abhängigkeit ist geblieben. Die Arroganz der Macht, die der Insel fremdbestimmte Strukturen aufzuprägen sucht, hat das Bestreben der Cubaner, einen eigenen Weg zu einer gerechteren und entwickelteren Gesellschaft zu finden, massiv behindert, auch wenn die Cubaner stolz darauf sind, dass sie dem Druck von außen so lange erfolgreich widerstanden haben. Das Prisma des Ost-West-Konfliktes, das die Betrachtungsweise jahrzehntelang bestimmte, hat das Bild Cubas gröblich verzerrt- und tut es noch. Das authentische Cuba unter der Folie des historischen Romantizismus oder der handfesten politischen Vorurteile aufzufinden, verlangt mehr als nur nüchternen Spürsinn. Es scheint gar nicht möglich zu sein, sich diesem Land nicht ohne Emotionen zu nähern und seine Geschichte emotionslos zu verfolgen, wenn man erst einmal dem karibischen Ambiente und dem offenherzigen Charme der Cubaner verfallen ist. Beides, Realitätssinn und Emotionen, sind kaum trennbar bei dem Versuch, die Geschichte und den Charakter eines Landes wie Cuba zu beschreiben.

GEOGRAPHIE, GEOSTRATEGISCHE LAGE UND KOLONIALES ERBE

Nicoilas Gillen, Cubas Nationalpoet, empfindet seine Insel als einen "Caiman  barbudo", als einen bärtigen Alligator: Der Kopf im Osten blickt auf  Haiti, die Schwanzspitze im Westen  weist auf das mexikanische Yucatan.  Dieser Kaiman bewacht, geostrategisch gut plaziert, den Golf von Mexico   mit zwei wichtigen Toren zur Karibik: der Floridastraße zwischen  La Habana und dem 140 km entfernten Key West in Florida und der Windwardpassage   zwischen Cabo Maisi und dem 80km entfernten Haiti. 
Kein Wunder, dass die Kolonialmächte Spanien und späterdie USA. diese Lage weidlich ausnutzten.

1200 km lang , 35- 200 km breit, 110.000 Quadratkilometer  groß  (also halb so groß wie die alte BRD, knapp ein Drittel des heutigen  deutschen Staatsgebietes von 360000 qkm), weist Cuba im Westen Mittelgebirge   mit den berühmten Kegelbergen, den mogotes, und im Osten mit der Sierra  Maestra, der Wiege der cubanischen Revolution, Höhen bis  2000m  auf .Vergleichbar mit dem Rückgrat eines Alligators durchziehen schmale  und niedrige Bergketten (alturas) die Mitte der Insel. Weite und allenfalls  leicht gewellte Ebenen herrschen sonst vor (llanuras). Ihre meist sehr  guten Böden sind ideal für den Zuckerrohranbau (caña de azucar).  Weniger fruchtbare Savannengebiete, durchsetzt mit der alles beherrschenden  Königspalme (palma real), dienen der Viehzucht, Überschwemmungsgebiete  nahe den Flussmündungen oft dem Reisanbau. Obwohl im Savannengürtel  der Erde gelegen, war Cuba ursprünglich eine dichtbewaldete Insel.  Regenwald, unterbrochen von Grasland, in manchen Gegenden durchmischt mit  Eichen- und Kiefernwäldern, bestimmte die landschaftliche Szene. Mit  der Landung der spanischen  Konquistadoren und ihren unersättlichen  Schiffswerften begann der Kahlschlag. Danach forderte die "schneeweiße  Dame Zucker" ihren Tribut. 

Brandrodungen vernichteten fast den gesamten Baumbestand, sog. wertlose  Sorten gleichermaßen wie Edelhölzer . Die Monokultur schuf wiederum  neue Abhängigkeiten: Cuba mit seinen natürlichen Reichtümern  musste Lebensmittel importieren, ein untrügliches Zeichen für  die wirtschaftliche Deformation und der "Entwicklung zur Unterentwicklung",  der rücksichtslosen kolonialen Ausbeutung, dem spanischen "Beutekapitalismus".  Denn das Hauptinteresse des Mutterlandes richtete sich auf die Edelmetalle  , die Rohstoffe, Kolonialwaren aller Art. Die sollte Cuba liefern. Die  Produktion von Gütern dagegen, die mit den Erzeugnissen des Mutterlandes  hätten konkurrieren können, hatte zu unterbleiben, alles andere  galt als ein "Diebstahl am Mutterland". Die Galeonen, die sich im Hafen  von Habana sammelten, um im April oder Juni im Konvoi nach Sevilla zu segeln,  waren bis obenhin mit Rohprodukten von den Feldern, aus den Minen und den  Wäldern der Kolonie gefüllt: mit Mais, Zucker, Tabak, Baumwolle,  Häuten, Pferdehaar, Talg, Holz, Leder, Vieh und vielen anderen Dingen.  Dagegen brachte die Flotte, die einmal im Jahr von Sevilla nach Westindien  segelte, alle möglichen Manufakturwaren in die Kolonie: feine Gewebe,  Kleider, Schuhe, Metallwaren, Maschinen, Wein, Öl, Seife. Eifersüchtig  waren das königliche Schatzamt und die Kaufleute von Sevilla bedacht,  Cuba wie die anderen Kolonien als profitables Absatzgebiet für die  Erzeugnisse des Mutterlandes zu erhalten. Königliche Verbote wie das,  Weinbau zu betreiben, und Kontrollen über die Produktion in Cuba sowie  die Exporte knebelten Handwerk, Gewerbe und Industrie. Die strengen Restriktionen  haben die Weichen gestellt für die fatale wirtschaftliche Unterentwicklung  des Landes, die bis heute nachwirkt. 
Cuba ist die Hauptinsel eines Kaleidoskops von tausenden von Inseln  , dem Archipiélago de Cuba mit den Gärten der Königin im Süden.  Viele dieser Inseln sind nur mit Mangrovengestrüpp bedeckt. Eine Unzahl  von Korallenriffen, der Traum eines jeden Tauchers, ist schon vielen Schiffen  zum Verhängnis geworden. 

 

KLIMA

Unmittelbar südlich des nördlichen Wendekreises gelegen, herrscht  subtropisches Klima vor, welches  durch den Golfstrom noch verstärkt  wird. Die Cubaner kennen nur 2 Jahreszeiten: die Trockenzeit von November  bis April und die Regenzeit. Typisch für die Regenzeit von Mai bis  Oktober sind weniger die Dauerregen als die kurzen, aber heftigen Nachmittagsschauer,  oft begleitet von Gewittern. Die Temperatur liegt bezogen auf die durchschnittlichen  täglichen Maxima im Jahresmittel bei ca. 30 Grad und sinkt im Monatsmittel  nicht unter 20 Grad ab, obwohl  im Januar/ Februar auch gelegentlich. mit  14-15 Grad für cubanische Verhältnisse geradezu  arktische  Bedingungen  herrschen können . Die durchschnittliche Wassertemperatur  liegt bei 24-26 Grad. 
Cuba liegt am Rande der karibischen Hurricanstraße, so dass  nur 10 Prozent der dortigen Wirbelstürme Cuba erreichen, dann aber  auch große Zerstörungen anrichten. 

 

BEVÖLKERUNG

Verglichen mit anderen Entwicklungsländern wächst Cubas Bevölkerung  langsam. Im Frühjahr 1992 gab es 10.6 Millionen Cubaner, von denen  2 Millionen in La Habana lebten. Während die Stadtbevölkerung  nach 1970 nur zwischen 8 und  30 Prozent gewachsen ist, verzeichnete  die Landbevölkerung ein Plus von 45 Prozent, eine einzigartige Entwicklung  für Lateinamerika, dessen Hauptstädte wie Krebsgeschwüre  wachsen mit unübersehbaren Folgen für Ökonomie, Ökologie  und soziale Strukturen. 
Diese antizyklische Entwicklung in Cuba ist sicher auch Erfolg der nach 1959 betriebenen Politik, das Land stärker als die Stadt zu fördern. Durch den Rückgang des Bevölkerungswachstums in den letzten Jahren hat sich eine Alterspyramide entwickelt, die eher den Industrienationen als anderen Entwicklungsländern gleicht.

Eine Volkszählung 1981 unterteilte die Bevölkerung in 66  % Weiße, 12 % Schwarze, 21.9 % Mischlinge und 0,1 % Asiaten (v.a.  Nachfahren importierter "Vertragsarbeiter" aus China nach Abschaffung der  Sklaverei), wobei die Problematik einer solchen Zählung  in der  Einstufung "weiß" oder "Mischling" liegt. Fidel Castro hat dieses  Problem versöhnlich gelöst, indem er sagte, dass im Grunde  alle Cubaner Mischlinge seien. Aber vielleicht liegt er mit dieser Aussage  nicht einmal so falsch. Als Errungenschaften der Revolution ist eine geringe  Analphabetenrate, eine gute schulische und universitäre Ausbildung  und  ein effektives in den letzten Winkel reichendes Gesundheitswesen  zu nennen. Diese Errungenschaften sind aber zunehmend durch die amerikanische  Blockadepolitik mit den daraus resultierenden ökonomischen Zwängen,  aber auch selbstgestrickten Fehlentwicklungen in Frage gestellt. Insbesonders das Gesundheitssystem hat durch die bestehenden materiellen Mängel  - und nicht etwa durch einen Mangel an qualifizierten Arbeitskräften  - große Schwierigkeiten, eine adäquate Versorgung der Bevölkerung  sicherzustellen.