Wieder in Holguin - April 05
Reisebericht von Heiner Behrmann und Herbert Querfurt
Plan war schon lange gefasst, wir müssen mal
wieder nach Holguin, um zu sehen ,wie es um unsere Hilfe und die
Projekte steht. Also entschliessen Heiner und ich uns zu fahren. Der
Flug ist lang, diesmal mit Zwischenlandung in Havanna. Der kurze
einstündige Flug nach Holguin schließt diesen langen Tag ab. Die Sicht
ist klar und langsam bleibt das quirlige Havanna hinter uns – unter uns
grüne Wiesen und Felder. Doch je weiter wir nach Osten kommen, desto
mehr wandelt sich das Bild. Das Land wird immer trockener
und ab Santa Clara enthalten die vielen kleinen Stauseen, die es
in ganz Cuba gibt , kein Wasser mehr. Die Landschaft ähnelt einer Wüste
– so braun und grau. Am schlimmsten wird es bei Las Tunas kurz vor
Holguin .Das Braun und Grau dominieren alles . Als der Flieger zur
Landung ansetzt, sehe ich den verbrannten Mais auf den dürr bepflanzten
Feldern. Auch das noch – zu all den wirtschaftlichen Problemen auch noch
diese Dürre. „Seit 18 Monaten hat es in der Provinz Holguin nicht mehr
geregnet“, erklärt uns Amaury der neue
ICAP-Chef , der uns am Flughafen in Empfang nimmt. „Diese Dürre ist
fatal, schon 21000 Rinder sind verendet – vor Hunger oder Durst. Der
Stausee bei Holguin ist leer und wir müssen das Wasser für die
Bevölkerung heranschaffen mit LKWs und Zügen. Zusätzlich
haben wir eine 44 km lange Pipeline vom Rio Cauto aus der Provinz
Santiago gebaut, die uns pro Sekunde 500 Liter Wasser liefert. 460 l
davon werden an die Bevölkerung verteilt – der Rest wird als Notreserve
gehalten für den Fall, dass es in dieser Regenzeit wieder nicht regnen
sollte. Dann haben wir wenigstens noch Wasser für die Krankenhäuser.“
500 Liter pro Sekunde - das hört sich viel an ,
deckt aber nur einen Drittel des Wasserbedarfs
der Provinz. Auf dem Weg in die Stadt
sehen wir sie dann – die LKWs , die Tankwagen und die Trecker mit ihren
Wassertanks. Alles, was rollen kann, verteilt Wasser. Sie verkaufen das
Wasser an die Bevölkerung. Fast jeder hier hat 1 oder 2 Ölfässer auf dem
Balkon oder in der Wohnung stehen, wo er
sein Wasser sammelt. Fast jedes 2. Auto dient dem Wassertransport. Alle
6000 Brunnen in Holguin sind versiegt. „Das
Beste, was uns passieren könnte“, so sagt
mir ein cubanischer Freund, „das wäre ein Hurrican. Da kommt richtig
Wasser runter und nicht nur ein paar Tropfen. Aber was war im letzten
Jahr? Einer links an uns vorbei einer rechts
vorbei , nur nicht über uns!“ Wie verzweifelt muss eine Lage sein, dass
man sich einen Hurrican herbeiwünscht!
Und am nächsten Tag regnet es – kurz und heftig,
das war’s dann aber auch schon wieder für den Rest unserer Tage, wir
wünschen allen dort viel Regen!

Michell, Fermin und Amaury
Der Empfang
am nächsten Tag beim ICAP ist herzlich – Amaury , Michell sein
Stellvertreter und Fermin, der uns alle Tage in Holguin zur Verfügung
steht und hervorragend dolmetscht.
Medikamente
Wir haben es schon bei der Einreise am Zoll gemerkt
– Medikamente sind problematisch. 37 kg haben wir bei , 10 kg darf jeder
von uns behalten, der Rest muss zu einem Institut zur Prüfung. Seit dem
1.4. 05 nimmt Cuba keine Medikamentenspenden mehr an. Es sein zu viel
verfallene Medikamente und zum Teil auch vom
Markt zurückgezogene Medikamente ins Land gekommen. Die Situation habe
sich aber auch gebessert. Und davon können wir uns dann in mehreren
Krankenhausapotheken überzeugen: Von allen wichtigen Antibiotika sind
ausreichend Bestände vorhanden. So hören wir auch überall, wo wir
nachfragen: „Mit Medikamenten gibt es keine Probleme.“
Alfredo, Chef des Minsap
Alfredo, der Gesundheitsminister der Provinz,
erscheint und begrüßt uns herzlich. Er ist sichtlich stolz: „Die
Kindersterblichkeit in der Provinz ist 4,6% gesunken.“ Früher lag sie
bei 6 – wie in allen Industriestaaten auch.
In Banes ist eine Dialyseabteilung mit 5 Betten eröffnet worden. Im
letzten Jahr habe die Provinz die
zweithöchste Operationszahl in ganz Cuba gehabt, davon seien 41
Nierentransplantationen gewesen. Die Lebenserwartung sei auf 76,7 Jahre
gestiegen.
Die Ärzteausbildung in der Provinz werde
umgestellt, so dass Medizinstudenten ab dem 1. Semester in Polikliniken
mitarbeiten müssten, um früh praktische Erfahrung zu sammeln.
Die Zusammenarbeit mit unserer Gruppe sei immer
sehr gut gewesen, das habe schon angefangen als er selbst noch Chef vom
Leninhospital gewesen sei und das erste Mal Klaus getroffen habe. Unsere
Gruppe sei die einzige, die kontinuierlich über 10 Jahre Hilfe geleistet
habe. Besonders hervorheben will er das
gynäkologische Projekt mit dem Hospital Lenin und den Mütterheimen- dies
sei vorbildlich gewesen.
Er verweist aber auch auf die Sorgen, die noch
bestehen: Zum einen der Wassermangel und auf der anderen Seite fehlen
immer noch ziemlich dringend Matratzen,
Transportliegen, Autos und Dialyseersatzteile. Auf anderen Sektoren sei
vieles besser geworden. „Wir sind dabei die Spezialperiode zu
überwinden.“
von links nach
rechts Amaury, Dr. Querfurt und die stellvetretende
Gesundheitsministerin der Provinz Holguin

Am letzten Tag erhalten wir
dann vom ICAP und ihm eine Urkunde „als spezielle Anerkennung“ unserer
bisherigen Hilfe.
Hogar materno
Als
erstes gehen wir zu den drei Mütterheimen für Problemschwangerschaften,
die direkt um die Ecke liegen. Sie waren ja im Rahmen des „Gyn-Projekts“
mit Möbeln und Geräten ausgerüstet worden. Es herrscht allgemeine
Zufriedenheit. „Die Matratzen sind sehr bequem,“ sagt uns eine
Patientin. So machen wir also im fernen Cuba Reklame für Schlaraffia .
Frisch gestrichen mit all den IKEA-Möbeln machen
sich alle drei Heime sehr gut. Die neue engagierte Leiterin erinnert uns
nur noch an die gegebene Zusage eines Autos. Der alte Krankenwagen, der
mehr defekt sei als dass er laufe, kommt zufällig
vorbei. Ein Wunder , dass er noch fährt!
AIDS-Klinik
Am Nachmittag steht die AIDS-Klinik auf dem
Programm, die sich schon vor einem Jahr mit einem Projektantrag an uns
gewandt hatte. Dr. Rhoden ist der engagierte Leiter dieser Klinik, die
an der Stadtgrenze liegt und ein großes landwirtschaftliches Areal
umfasst. Sie ist auch zuständig für die Provinz Las Tunas und besteht
seit 13 Jahren.
Von insgesamt 68 Mitarbeitern werden hier bis zu 40
Patienten betreut, die einige Wochen oder
Monate hier bleiben, um sie medizinisch optimal zu versorgen, aber auch
auf „das Leben mit der Krankheit“ vorzubereiten. Das Hauptprinzip
besteht in der Gabe von Medikamenten, die ausreichend und kostenlos
verfügbar seien und einer hochkalorischen Ernährung. Jeder Patient hat
Anspruch auf 4000-5000 Cal pro Tag .
Kleine Zentren in vielen Stadtteilen und Gemeinden
ergänzen dann die Arbeit dieser Klinik.

Dr. Rhoden ( rechts ) stellt die AIDS-Klinik vor
Ein besonderes Projekt sind die „offenen Türen“ .
Das sind Programme zur Aufklärung über AIDS, zu der auch eine kostenlose
Telefonhotline gehört.
An Hilfe durch unsere Gruppe wünschen Sie sich
eine Verbesserung der Transportsituation und die Erneuerung des alten
Mobiliars. Auch Kühlanlagen seien erforderlich. Die Geländebeleuchtung
ist ausgefallen und die Projektionsmöglichkeit für die
Aufklärungsveranstaltungen müsste verbessert werden.
Wir sagen zu ihren Antrag zu prüfen.
An diesem Abend schlafen wir früh ein und sehr
lange - der Jetlag fordert sein Opfer.
Hospital
Lenin

Wie in den Mütterheimen geht es auch hier um eine
abschließende Dokumentation des durchgeführten Projekts. Und wieder eine
positive Überraschung: Die komplette gynäkologische und geburtshilfliche
Abteilung ist neu gestrichen worden und macht jetzt zusammen mit den
neuen Betten und Matratzen einen guten Eindruck. So wie ein ganz
normales Krankenhaus. Im Vergleich zu dem, was ich vor Jahren hier
gesehen habe, ist dies ein unglaublicher Fortschritt. Völlig neu war,
dass 2 Studentinnen an einem Computer von einem Arzt unterrichtet werden
– mitten im Krankenhaus.
Wie wir erfahren, wird diese Art des intensiven
Unterricht jetzt in allen größeren Krankenhäusern praktiziert. Und dann
treffen wir Dr. Lorenzo – den Mitinitiator des Projekts, der es zusammen mit unserer Gruppe
ausgearbeitet hatte. Heute ist er verantwortlich für die Laparaskopien,
die er mit der von uns gelieferten Einrichtung durchführt: „Seit 3
Jahren jetzt läuft das System – ohne jede Störung. 978 Spiegelungen habe
ich letztes Jahr damit gemacht.
Und wir müssen uns im Operationsbuch gleich davon überzeugen, dass es stimmt.

Wir sollen allen Leuten in Deutschland sagen, welch
eine gute Hilfe dies gewesen sei und bedankt sich ganz herzlich, was der
Leiter der Abteilung ebenfalls ausgedrückt hat.
Die Dialyseabteilung hat jetzt 4 Plätze – es sind
die im Jahre 98/99 gelieferten Maschinen. Und es geht gut damit, auch
hier zufriedene Gesichter bei Ärzten und Patienten.
Pediatrico
„Es sind nicht die
großen Dinge, die fehlen , es ist das Verbrauchsmaterial,“ sagt Daysi ,
Chefin der Klinik und seit Jahren Partnerin unseres Vereins. Der alte
VW-Krankenwagen tut immer noch seine Dienste, er war 99 von uns
rübergeschickt worden. Ebenso wie die Rö-Anlage und das EKG, das wir vor
2 Jahren geschickt haben, nachdem die Kinderklinik nach Ausfall des
vorhandenen Geräts plötzlich ganz ohne da stand. Voll des Lobes ist sie
über unser REHA-Projekt, das eine Versorgung der Kinder ermöglicht wie
sonst nur in Havanna. Und davon können wir uns bei einer kurzen Visite
auch selbst überzeugen. Alle drei Reizstromgeräte sind im Einsatz, nur
der Boden ist immer noch nicht gestrichen!
Aber das Lungenfunktionsgerät macht Probleme, eine
Reparatur der Elektronik ist vor Ort nicht möglich, wir werden den
elektronischen Schaltkasten nach Deutschland holen und hier reparieren
müssen.
Und das ist ihre Wunschliste für die weitere
Kooperation:
1 Wasserdestilliergerät, 1
Kryostat, 1 Gerät zur Bougierung von Ösophagusstenosen, 1 Werkzeugkiste
und zum Schluß kommt : „ Y si algun computadora les molesta...
(Und wenn Euch irgendein Computer lästig ist, dann wisst ihr ja
wo ihr ihn hinschicken könnt...)
Nächstes Jahr ist sie 10 Jahre Chefin der Klinik –
das passt gut zu unserem eigenen 10-jährigen Bestehen!
Clinico Quirurgico
Unser alter Freund Roberto Ramos ist ins Minsap
versetzt worden und Teresita ist jetzt die neue Leiterin der Klinik.
Hier wollen wir insbesondere die Küche sehen, denn
hier wie auch in der Kinderklinik ist der Teil der Mensaküche gelandet,
der einen Dampfanschluss erfordert. Die im Jahr 98 gelieferte Küche der
Augusta-Krankenanstalten wird zur Zeit abgebaut und durch eine moderne
ersetzt, sie hat immerhin noch 7 Jahre lang über 1000 Essen pro Tag
geliefert. Und 2 Dampfkessel aus der Mensaküche sind aufgebaut und
arbeiten gut.
Teresita zeigt uns dann die REHA-Abteilung, eine
kleine Abteilung, die aber vollständig mit unseren Spenden bestückt ist:
Rotlicht, Mikrowelle, Ergometer, Rollstühle, Rollatoren und
höhenverstellbare Behandlungsliegen. Der 3. Bauabschnitt der Klinik soll
ein Angriff genommen werden und dort eine 140 Betten-REHA-Klinik
entstehen.
Ein Projektantrag wird uns überreicht, sie wollen
die REHA erweitern insbesondere auch Reizstromgeräte.
Die Bibliothek dieses Klinikums, das ja auch in
erheblichem Masse der Studentenausbildung dient, ist relativ klein. Hier
werden wir mit dem Wunsch nach einem kleinen Computernetzwerk
konfrontiert, um auch aus dem Internet
Informationen beziehen zu können. Zufällig haben wir die nötigen 4
Computer im Lager, diese Problem wird mit
dem nächsten Container nach Holguin gelöst sein..
Das Abendessen findet auf dem Loma de la Cruz
statt – der Hügel direkt in der Stadt.
Wir genießen die laue Luft, das gute Bier, das
Essen und den Ausblick. Wieder im Hotel bin ich froh, dass mal keiner
was in Spanisch von mir will..
Elektromedizin
Der Samstag beginnt mit einem ausführlichen
Gespräch mit Carlos Perez, dem Leiter der Elektromedizin, die für die
gesamten Geräte in den Krankenhäuser, Polikliniken und Praxen
verantwortlich sind. Wir erfahren, dass Cuba jetzt selbst EKG-Geräte
baut, wir also keine mehr schicken sollen, zumal für die 3-, 6- und 12-
Kanalgeräte in Cuba sowieso kein Papier verfügbar sei. Das gelte für
Zahnarztstühle. Es seien gerade in der ganzen Provinz die alten Stühle
ausgetauscht worden. Sie beginnen jetzt intern mit einem
Recyclingprojekt, indem sie alte Einheiten ausschlachten und als
Ersatzteile verwenden .Als besonders dringend bezeichnet er den Bedarf
an Laborgeräten jeder Art (außer Automaten, die spezielle Reagenzien
erfordern)und Küchen jeder Art.
Hospital Gibara

Der Samstagnachmittag soll eigentlich der
Erholung dienen, aber -
das Hospital in Gibara hat seinen Weg auf unser
Programm gefunden. Also 40 km zur Küste. Wunderschön dieses
alte koloniale Städtchen, wie es da verträumt an der Küste liegt.
Selbst das marode Holz vieler Häuser hat seinen Charme.
Diese Gefühle verfliegen aber nur allzu schnell, als wir das
Hospital betreten. Mit Abstand kann Armut ja noch als „malerisch“
angesehen werden, aber hautnah ist sie
nur schrecklich.
Und so war es dann auch. Direkt an der Küste
gelegen ist das Hospital ständigen
Salzwinden ausgesetzt, die Fensterklappen sind teils verbogen, so
dass es auch in die Flure regnen kann und das Ergebnis ist ... Rost,
Rost, überall Rost.

Die
Krankenschwestern legen sich ein Stück Pappe unter, bevor sie sich auf
die üblichen Eisenstühle setzen, da sonst ihre Kleidung anrostet.
Vieles erinnert an das alte Hospital in Banes. Hier ist Hilfe
absolut vordringlich.

Dra. Griselda Aguilera, die
Leiterin des Hospitals, empfängt uns. Das
Hospital hat 95 Betten und versorgt 71000 Einwohner. 22 Ärzte und 57
Krankenschwestern arbeiten dort, die meisten Spezialisten sind
vorhanden. Neben 30 Geburten pro Monat werden bis zu 300 Operationen
ausgeführt. Das Hospital verfügt über eine eigene Blutbank, ein
Ultraschall, eine Radiologie und ein Labor.
Der ausführliche Rundgang beginnt in der gut
bestückten Apotheke.

Im Labor
ist praktisch alles schrottreif, wie man mit solchen Instrumenten
überhaupt noch brauchbare Laborwerte erzielen kann, ist mir ein
Rätsel.

Die Krankenstationen zeigen die verrosteten Betten
und Stühle. Rost hat einen echt stark deprimierenden Faktor. „Das
Schlimmste aber ist“ ,sagt Dra. Giselda, „ dass wir für 25 Betten
überhaupt keine Matratzen haben. Wir können sie nicht einmal im Notfall
belegen.“ Und die vorhandenen Matratzen kann man praktisch nur noch als
Schaumstoffreste bezeichnen.
Ich denke nur, wie gut, dass dieses Hospital in
diesem Jahr Hauptempfänger unserer geplanten Container ist, denn Betten
und Matratzen haben wir jede Menge im Lager. Die Deckenbeleuchtung
besteht in den meisten Räumen nur noch aus einer einzigen Neonröhre in
einem verrosteten Kasten,
wo es doch
4 bis 8 sein sollten. Das Hospital
verfügt über keinen einzigen Ventilator, von
einer Klimaanlage mal ganz zu schweigen. Auch Stühle, Nachttische und
Untersuchungslampen sind dringend erforderlich. Eine
Transportmöglichkeit besitzt das Hospital überhaupt nicht, weder um
Patienten nach Holguin zu transportieren noch zu Untersuchungen im Ort.
Also werden Taxis gemietet.
Die neue Röntgenanlage kann noch nicht betrieben
werden, da die Klimatisierung fehlt. Also müssen die Patienten zur
Poliklinik gefahren werden.
Und dann die Küche: Es wird mit Holzkohle gekocht,
weil man für die 2 großen Gasherde nicht genug Gas hat. Der
Gesamtzustand dieser Küche setzt bei mir den Schlusspunkt: Hier kann und
muss geholfen werden.
Aber
dann kommen sie doch noch, die kleinen
Lichtblicke: Das Hospital hat ein neues cubanisches EKG, es hat
auch von unseren Schulmöbeln einige Stühle
und eine Sitzbank erhalten, die auf das Hospital verteilt sind. Auch das
Intensivzimmer ist recht gut ausgestattet und als Nachtischchen dienen
hier die
kleinen Beistellregale aus dem Finanzamt Essen.

Wir verabschieden uns und versprechen, dass wir
helfen werden.
Corazon del caribe

Am Samstagabend haben wir dann noch ein ganz
besonderes Erlebnis, was man so wohl nur in Cuba haben kann. Wir gehen
in ein Lokal, um
„Corazon del Caribe“ zu hören. Das ist die Band von Aclifim, dem
cubanischen Behindertenverband, die wohl einzige Behindertenband auf
Cuba und vielleicht in der ganzen Welt. Der
Bassist und Sänger ist doppelseitig Unterschenkel amputiert und hat
zusätzlich noch eine Unterarmamputation: Mit der gesunden Hand greift er
die Akkorde, der Unterarmstumpf schlägt die Saiten an. Der Congaspieler
kommt auf 2 Gehhilfen auf die Bühne, ebenso wie der
Keyboardspieler. Und am Schlagzeug sitzt ein Mann im Rollstuhl.
Und dann legen sie los - vielleicht ist ihre Musik im internationalen
Maßstab nicht sonderlich gut, aber der Funke springt über!
Zu sehen, wie diese Menschen mit ihrer Behinderung fertig werden
und gleichzeitig noch so gute Musik machen, das ist schon
bewundernswert. Es gibt als Getränk nur Bier – 5 Peso pro Glas
und der Abend ist lau. Als die Band abfährt, sehe auf der Rückseite
ihres Busses ihr Motto: „Es gibt keine unmöglichen Aufgaben, nur
unfähige Menschen...“ (Che)
Der Sonntag ist dann
wirklich frei und wir verbringen einen Tag in Guardalavaca am Strand.
Bacteriologico
Der Montagmorgen beginnt im Bacteriologico, auch
seit Jahren ein Partner unserer Organisation. „Der Minibus und der Opel
sind die Arbeitstiere im Institut“ , so fasst Dr. Rhoden,
stellvertetender Leiter des Instituts, das Ergebnis unser Spenden zur
Verbesserung der Transportsituation zusammen. Auch die Sterilisatoren
und die Wasserdestilliergeräte leisten gute Dienste. Für die Zukunft
wünschen sie sich Unterstützung
bei Kühlanlagen jeder Art, ein zusätzliches Auto, da die Provinz
groß sei, und einen ILO-Standardfilmsatz zur
Verbesserung der Diagnostik von Staublungen, die bei Nickelarbeitern
vorkommen können. Hier bin ich wieder verblüfft, wie gut die Kenntnisse
der cubanischen Kollegen sind und wie sie es auch anstreben auf
internationalem Niveau zu arbeiten. Das Arbeiten mit diesen
Vergleichsfilmen ist in Deutschland und weltweit erst Anfang der 80er
Jahre eingeführt worden, am liebsten hätten sie, wenn ich auch gleich
noch eine Fortbildung dazu machen würde..“
Arbeitsmedizinisches Zentrum

Diese Unterabteilung des Bacteriologico mit 10
Mitarbeitern ist für den Arbeitsschutz in der Provinz zuständig, man
bedankt sich bei uns ganz herzlich für die Spenden, neben reichlich
Mobiliar war es ein Audiometer und eine schalldichte Kabine für Audiometrien.
Über 3000 Untersuchungen sind damit schon
durchgeführt worden. Sie würden das Audiometer vor Ort in den Betrieben
einsetzen und in Zweifelsfällen die Patienten dann ins Zentrum holen, um
sie in der Kabine untersuchen zu können.
Die gespendete Röntgenanlage passte leider nicht in
den zu kleinen Raum, so dass die Anlage anderweitig eingesetzt worden
sei. Man habe aber eine Kooperation mit einer Poliklinik in der Nähe, wo
die Nickelarbeiter geröntgt werden. Was noch fehlt ist ein Spirometer,
um auch die notwendigen Lungenfunktionen durchführen zu können und –
natürlich – der ILO-Standardfilmsatz.
Psychiatrie
Und nun wollen wir sie endlich sehen –

die Mensaküche in Aktion.
Dra. Lilli Blanco begrüßt uns herzlich.
Die Techniker und das Küchenpersonal berichten
übereinstimmend, dass sie sich über diese Spende sehr gefreut hätten.
Wir sollen alle Menschen in Deutschland, die dafür gesorgt hätten, dass
diese Küche nach Cuba kam, herzlich grüßen und Danke sagen. In der
psychiatrischen Klinik ist es jetzt möglich auf reinen Elektrobetrieb
umzustellen und das Kochen mit Gas aufzugeben. Die Küche der Klinik hat
eine enorme Verbesserung erfahren. Wir hatten in anderen Containern auch
für Geschirr, Töpfe und Besteck gesorgt, das zwar vorhanden war, aber in
der Menge nicht ausreichte.
Die Chefin der Klinik
berichtet, dass unsere Kleiderspenden sehr gut zu gebrauchen seien. Als
kürzlich ein Kälteeinbruch war , wurden alle Patienten mit der
gespendeten Kleidung versorgt. Die Klinik habe ausgesehen wie
„Klein- Deutschland.“
In der Psychiatrischen Klinik wird dringend noch
gebraucht:
Ein EEG, das vorhandene ist defekt und nicht mehr
zu reparieren
Gartengeräte: Die Klinik hat relativ viel
landwirtschaftliche Fläche, die von Patienten bearbeiten könnte, um so
einerseits eine sinnvolle Beschäftigung zu haben und andererseits zur
Verbesserung der eigenen Verpflegung beizutragen.
Baumwollstoff:
Unser Verein hat dieser Klinik bereits 7
Nähmaschinen gespendet. Ergänzt um den notwendigen Stoff könnten
Bettlaken und leichte Kleidung dort selbst hergestellt werden.
1 Auto
Alle Autos der Klinik sind defekt, hier wird
dringend ein Minibus gesucht, um z. B . Patienten zu
Konsiliaruntersuchungen zu fahren
Mehrere Waschmaschinen-
Die Klinik hat nur eine Haushaltwaschmaschine, um
die gesamte Wäsche für 150 Patienten zu waschen. Als wir vor Ort waren,
war auch diese Maschine ausgefallen, so dass die Wäsche auf offenem
Feuer gekocht werden musste.
Fazit:
Praktisch alle unsere Spenden haben in der
Vergangenheit geholfen Not zu lindern.
Wir wurden überall mit offenen Armen empfangen und
konnten uns alles ansehen, was wir wollten.
Die Hilfe in Zukunft muss gezielt ausfallen, da
inzwischen doch einige Dinge wie EKGs, Medikamente und Zahnarztstühle
verfügbar sind.
Was wir aber überall hören, ist die Bitte um
Hilfe bei Autos, Kühlanlagen, Betten, Matratzen und Nachttischchen,
Laborgeräten jeder Art, Küchen und Waschmaschinen, Computern ab 486er
mit Nadeldruckern.
Schluss:
„Auf der Erde fehlen Menschen,
die mehr arbeiten und weniger kritisieren
die lieber aufbauen als
zerstören
die weniger versprechen, aber dafür mehr einlösen
die weniger nehmen und als sie
geben
die lieber „heute“ sagen als „morgen“
(Che Guevara)