Humanitäre Cuba Hilfe e.V.
Medizinische Hilfslieferungen, humanitäre, kulturelle und www.hch-ev.de
PROJEKT
PROJEKT anlässlich des verheerenden
Erdbebens auf Haiti: Cuba
hilft Haiti PROJEKT
Containerverladung
Erste Begegnung mit Kuba (05-1999) - ein Reisebericht von Dr. med. H. QuerfurtDie Dame am Schalter der LTU sinkt immer weiter auf ihrem Stuhl
zusammen, als wir mit einer geballten Ladung von 3 Trollis, zusammen 19
Paketen, 6 Koffern und Reisetaschen und 3 Fahrrädern bei ihr einchecken
wollen. Dies ist ihr Gipfel des "Late-Night-Check-in" am Düsseldorfer
Flughafen und wir sind unser Gepäck (darunter die videoendoskopische
OP-Anlage für die Kinderklinik, die restlichen Endoskopiegeräte für das
Leninhospital,1 486er Computer, große Mengen von Medikamenten,
Geschenke...)schon am Vorabend los , aber auch 500 DM für das humanitäre
Übergepäck. Roberto erklärt
uns, daß wir Gäste des ICAP seien und das ICAP für unsere Betreuung
während unseres Aufenthaltes zuständig sei . Es wird ein Programm
für die nächsten Tage gemacht. Dieses Programm beginnt mit 5 Terminen,
die von unserer Seite aus gewünscht werden. Im Laufe der Tage entwickelt
sich jedoch eine Eigendynamik, so daß im Endeffekt von uns 17 bis 20
Termine oder Einladungen zum Essen innerhalb von 7 Tagen absolviert
werden. Meine Freude über das schöne Hotel Los Bosques mit dem großen
Swimmingpool hält nicht lange vor. Zwei Mal nur gelingt es mir in
der gesamten Zeit, den schönen Swimmingpool zu benutzen, da der
Rest der Zeit mit Terminen verplant ist. Es wird der
Terminkalender eines "Staatsbesuchs". Dies ist natürlich das Ergebnis
der jahrelangen Arbeit der "Humanitären Cubahilfe" ( HCH ) und
auch nicht negativ, da es uns in dieser Woche gelingt, viele Kontakte
neu zu knüpfen, alte Kontakte zu intensivieren und viele Einblicke ins
kubanische Gesundheitswesen zu bekommen. Stressig ist es trotzdem. Aber
erholen kann ich mich ja zu Hause?! Am 21.5. morgens machen wir einen Stadtbummel und besuchen einen der kleinen Bauernmärkte, wo frisches Obst und Gemüse verkauft wird. An diesem Tag gibt es Möhren, Zwiebeln, Tomaten, Kartoffeln und ein wenig Obst. Die rechtwinkligen Straßenzüge, mit den relativ gut instand gehaltenen Straßen, ermöglichen eine rasche Orientierung. Der Transport in der Stadt wird viel von sog. Bici-Taxis (Fahrräder mit Beiwagen), Pferdedroschken und nur zu einem geringen Teil mit Taxen oder Bussen abgewickelt. Unser erster Besuch
gilt dem "ANSOC", der Vereinigung der kubanischen Taubstummen. Hier hat
sich die HCH mit ca. 600 $ engagiert; entstanden daraus ist eine
sehr ansprechende Begegnungsstätte für die Taubstummen mit einer schönen
großen Halle und einem netten Innenhof. Dieses Projekt ist jetzt
fast abgeschlossen. Einige kleinere Wünsche bleiben noch offen. Hier
werden noch gebraucht: ein Schreibprogramm für den neuen von uns
gespendeten Computer, Disketten, Büromaterial, ein Kühlschrank und ein
Gasherd für die Küche. Als Anerkennung unserer Arbeit werden von
Präsident Carlos selbst gemachte Puppen überreicht, die mit
Phantasiekostümen aus Gardinenstoff versehen sind. Eine Puppe hat eine
gehäkelte Tracht, da die Gardinenstoffe ausgegangen sind. Carlos bittet
deshalb um Gardinenstoff für weitere "echt kubanische" Puppen. Am späten Vormittag
geht es weiter zum Universitätskrankenhaus Lenin. Die Begrüßung erfolgt
durch den derzeitigen Direktor Dr. Otto Reyes-Canell. Im persönlichen
Gespräch mit der Apothekerin kann ich mich von ihrem hohen
Fachwissen überzeugen, wie ich überhaupt an allen Stellen qualifizierte
Kollegen und Krankenschwestern antreffe. Das Fachwissen ist nicht das
Problem in Kuba. Das Problem im Gesundheitswesen ist das nicht
vorhandene Material. Wir übergeben die mitgebrachten Endoskope
(Gastroskop, Kolonoskop, Bronchoskop, Cystoskop mit umfangreichem
urologischen Zubehör) sowie die Sachspenden, in erster Linie
Medikamente. Insbesondere die Antibiotika werden sehr dankbar
aufgenommen; Penicillin, Cephalosporine und Chinolone sind chronische
Mangelware, so daß jeden Tag am Lenin-Krankenhaus eine sog.
Antibiotikakonferenz stattfindet, in der sich die Chefärzte gegenseitig
ihre schweren Fälle vorstellen, um dann zu entscheiden, welchem
Patienten welches Antibiotikum gegeben wird und wer nichts erhält. Ein
für deutsche Verhältnisse unvorstellbarer Zustand. Um 14. 00 Uhr ist
der nächste Termin. Diesmal beim "Director Provincial De Salud"
(entsprechend unserem Landesgesundheitsminister ) Alfredo Gonzales
Lorenzo. Alfredo war früher Direktor des Lenin-Hospitals und bekleidet
seit einigen Monaten diese neue Position. Von Haus aus ist er
Neurochirurg. In einem gut einstündigen Gespräch bedankt er sich
herzlich für die bisherige Arbeit der Cubahilfe und legt uns 2 Projekte
besonders ans Herz, die wir in Zukunft doch unterstützen möchten. Das
eine ist der Neubau des Hospitals in Banes (Einzelheiten siehe später).
Das zweite ist ein EDV-Netz zwischen den wichtigsten Krankenhäusern,
einschließlich Internet-Zugang, um medizinisches Fachwissen für die
kubanischen Ärzte schnell verfügbar zu machen(dadurch können die
Abo-Kosten für Fachzeitschriften minimiert werden). Dazu besteht ein
ganz konkretes Projekt, für das 8 Computer und Zubehör gebraucht
werden. Am 22.5. einem Samstagmorgen besuchen wir das neue Klinikum mit großer chirurgischer Unfallklinik, die vor den Toren von Holguin neu gebaut wird, ein 900 Betten Krankenhaus, finanziert weitgehend von den Geldern, die aus dem Tourismus eingenommen wurden. Derzeit befinden sich 350 Betten bereits in Betrieb. Sie ist geplant als zentrale Unfallklinik für den Osten Kubas, speziell für polytraumatisierte Patienten. Von den geplanten 10 Operationssälen arbeiten bereits 5. Die medizintechnische Ausstattung ist neu: So existiert ein Computertomograph (der einzige im Osten Kubas ) und eine Gammakamera, ein Kernspintomograph befindet sich im Aufbau. Zentral für die gesamte Region wird hier auch die Neurochirurgie und eine Verbrennungsabteilung aufgebaut, ferner die Gynäkologie und die Geburtshilfe, eine große Dialyseabteilung und internistische Fachabteilungen. Die Patientenzimmer sind mit 3 bis 6 Betten (für kubanische Verhältnisse sind 15 bis 21 Betten normal) relativ klein. Hier wird uns mit Stolz die von uns gespendete Krankenhausküche vorgeführt, die voll funktionstüchtig, für die Versorgung von Patienten und Personal, arbeitet. Mit dem Chef Dr. Roberto Ramos Collon verabreden wir Hilfe beim Einkauf weiterer Medizintechnik. So wird dringend in diesem Krankenhaus ein Angiographiemeßplatz und eine Echokardiographie gebraucht. Darüber hinaus ein Trepanationsbesteck, sowie Ausrüstung für Rehabilitation (es gibt 5 Räume für Physiotherapie aber keinerlei Ausrüstung ) und Gastroenterologie. Bereits am Vortage hat uns Roberto darauf aufmerksam gemacht, das am Samstag um 17:00 Uhr ein sog. "ACTO" stattfinden solle bei der Provinzregierung, und daß erwartet wird, daß Klaus auch etwas sagt. Worum es sich handelt, teilt uns niemand mit. Also wird eine allgemein gehaltene Rede von uns, insbesondere von Klaus vorbereitet, in der die Arbeit der Kubahilfe dargestellt wird. Wir werden dann zum offiziellen Empfangssaal der Provinzregierung gebracht, der in eine große Denkmalsanlage integriert ist. Alles beginnt mit der kubanischen Hymne und einer anschließenden Rede der Parlamentspräsidentin der Provinz. Darin wird die Arbeit der "humanitären Kubahilfe" (HCH) ausführlich gewürdigt, nicht nur wegen ihres hohen materiellen Wertes, sondern insbesondere auch als Akt der Solidarität und dem für sie wichtigen Wissen, daß Kuba Freunde in der Welt hat. Lobend hervorgehoben wird die gute Zusammenarbeit der HCH mit den Krankenhäusern in Holguin. Als Dank für die Arbeit in der Vergangenheit wird Klaus Piel dann das "Hacha von Holguin" überreicht vom Gouverneur der Provinz Holguin persönlich. Hierbei handelt es sich um die höchste Auszeichnung, welche die Provinz Holguin zu vergeben hat. Und Klaus Piel ist der erste Ausländer, der diese Auszeichnung erhält. Betont wird dabei, daß er als Repräsentant der HCH ausgezeichnet wird. Bei dem "Hacha" handelt es sich um eine vorkolumbianische Steinaxt, die in der Nähe von Holguin ausgegraben worden ist und im Museum in der Nähe von Banes besichtigt werden kann. Diese Originalnachbildung wird in einem kleinen Holzkasten überreicht. Insgesamt ein erhebender und feierlicher Augenblick, der auch einen Durchbruch in der Arbeit der "humanitären Kubahilfe" bedeutet, da mit dieser Auszeichnung von höchster Stelle der Wert der Arbeit anerkannt wird. Darüber hinaus wird Patricia als offizielle Repräsentantin der Gruppe jetzt auch durch den Provinzgouverneur akzeptiert. Ich glaube, dieser "Acto" wird in Zukunft unsere Arbeit in Kuba wesentlich erleichtern. Es schließt sich ein offizieller Empfang mit kleiner "Stehparty" an, wobei viele informelle Gespräche geführt werden können. Natürlich sind Presse und Fernsehen anwesend. Ein Fernsehbericht wird in ganz Kuba über diese Auszeichnung ausgestrahlt. Die Zeitungsberichte kommen erst nach unserer Abreise. Ich hoffe, daß Patricia sie uns mitbringt. Der Sonntag (23.5.)
war als Ruhe- und Strandtag gedacht. Da die Strände von Guardalavaca
ganz in der Nähe von Banes liegen, wird jedoch eine Besichtigung
des Hospitals in Banes eingeschoben. Zunächst geht es zum Rathaus, wo
uns die Bürgermeisterin und 2 Spezialisten für das Gesundheitswesen des
"municipio" bei einem café cubano mit vielen Details aus dem
medizinischen Bereich versorgen und uns später auch bei der Besichtigung
begleiten. Den "Problemfall Banes" hat uns der Gesundheitsminister ja
besonders ans Herz gelegt. Mit dem Neubau des Krankenhauses wurde
bereits begonnen; die Fundamente werden zur Zeit gegossen. Der Neubau
wird notwendig, da das alte Krankenhaus (es handelt sich um ein
Holzkrankenhaus aus der Jahrhundertwende) nicht mehr zu sanieren ist. Im
alten Krankenhaus mit seinen 96 Betten arbeiten 26 Ärzte und 63
Krankenschwestern. Das neue Krankenhaus soll 140 Betten haben.
Zusätzlich zur vorhandenen Fachabteilung werden eine Psychiatrie und
eine Intensivstation neu aufgebaut. Das Hospital hat ein Einzugsgebiet
von knapp 100 000 Einwohnern. Es wird uns ein Bauplan, sowie die Liste
der geplanten medizintechnischen Ausrüstung des Hospitals
übergeben, wobei insbesondere auf diesem Sektor von uns Hilfe gewünscht
wird. Darüber hinaus benötigt Banes als Akuthilfe ein Elektrokardiogramm
(EKG), da im Umkreis von 100 km kein EKG mehr verfügbar ist, seit das
letzte Gerät vor kurzem defekt wurde. Die Besichtigung des alten
Krankenhauses gerät dann zu einer Art Alptraum. Ein Holzgebäude, dunkel,
zum Teil schimmlig und mit Blechdach. Das Krankenhaus ist zur Zeit halb
belegt. Die Besichtigung der Wäschekammer ergibt, daß noch ca. 20
Bettlaken vorhanden sind. Im Apothekenschrank für das gesamte
Krankenhaus sind nur sehr wenige Medikamente vorhanden, überhaupt keine
Antibiotika. Aber trotz alledem wird überall möglichst steril
gearbeitet. Eine Laborausrüstung, wie ich sie aus den 60er Jahren kenne
(Photometer, Zentrifuge und Mikroskop) ist neben einem uralten
Röntgengerät die einzige medizintechnische Ausrüstung. Dieses
Röntgengerät ist so defekt, das teilweise Aufnahmen 3 bis 4 mal
gemacht werden müssen, um eine ordentliche Aufnahme zu bekommen. Die
Krankensäle haben 20 Betten. Insgesamt beschleicht mich überall dieses
beklemmende Gefühl des Mangels, was vom Kopf her mir schon vorher klar
war. Aber es macht einen gewaltigen Unterschied, wenn man die Situation
selbst vor Ort mit Menschen aus Fleisch und Blut erlebt. Dazu stellt
sich eine aufkommende Angst ein, daß wir als Gruppe überfordert werden,
und die hier dringend notwendige Hilfe nicht leisten können, da die
Listen der medizinischen Notwendigkeiten immer länger werden. Es
wird unsererseits großer Anstrengungen bedürfen, um der Provinz Holguin
entscheidend helfen zu können. Die Fahrt zurück
von Banes durch die Zuckerrohrfelder nach Guardalavaca zeigt uns die 2
Säulen der kubanischen Wirtschaft: Zuckerrohr und Tourismus. Ein kühles
Bad im Meer läßt die Lebensgeister wieder erwachen. Der Gang durch die
Anlagen der Hotels ist der Schritt durch ein Tor in eine andere Welt.
Eine Welt , die uns wohl vertraut ist, die aber mit der kubanischen
Realität nichts zu tun hat. Alles ist perfekt gepflegt, für die
Touristen ist alles vom Feinsten, einschließlich der medizinischen
Versorgung. Auf der anderen Seite ist es das Geld aus dem Tourismus, das
den Neubau von Kliniken wie der neuen Unfallklinik in Holguin oder dem
neuen Krankenhaus in Banes möglich macht. Trotz dieses Wissens, ein
schaler Nachgeschmack bleibt. Hotels sind halt doch Touristenghettos.
Am Montagmorgen (24.5.) erfolgt eine ausführliche Besichtigung des Lenin-Hospitals in Holguin mit sämtlichen Abteilungen, die wir zu sehen wünschen. Auch dürfen wir eine Reihe Fotos machen. Wir können uns über den Verbleib unserer bisherigen Spenden informieren und besprechen mit den einzelnen Abteilungen Notwendigkeiten weiterer Hilfe. Als äußerst dringlich erweist sich die Lieferung von Ersatzbirnen für diverse Lichtquellen der Endoskopie, sowie ein Vaginalschallkopf für das Sonoline SL 2 der Firma Siemens. Aber auch große Kühlschränke für die Apotheke, onkologische Medikamente, sowie Bettgurte zum Fixieren der Patienten werden dringlich gebraucht- und immer wieder so einfache Dinge wie Bettlaken, Bettzeug, Handtücher, Hygieneartikel. Selbst Monatsbinden, erklärt uns Patricia, sind praktisch nicht zu bekommen und das sei nicht immer einfach für die Frauen im Lande. Das Mittagessen wird vom ICAP ausgerichtet mit einem ausgesprochen leckeren typisch kubanischen Schweinebraten, zubereitet mit Knoblauch. Voller Stolz berichtet uns dabei Roberto, daß Dank unserer guten und erfolgreichen Zusammenarbeit und anläßlich der jetzigen HCH-Visite das ICAP in der Provinz eine Aufwertung durch den Provinzgouverneur erfahren habe und bereits in 2 Wochen ein neues größeres Gebäude beziehen könne mit ausreichend großen Büro- und Lagerräumen und auch der Möglichkeit für Gästezimmer in der ersten Etage. Büromaterial jeder Art wird hier dringend gebraucht, Roberto schreibt auf dem einzigen Notizblock, der vorhanden ist. Am Nachmittag haben wir ein Gespräch in der medizinischen Hochschule Holguin mit dem stellvertretenden Dekan, gleichzeitig Professor für Anatomie und Naturheilkunde und dem Sekretär für internationale Angelegenheiten. Wir informieren uns über die Möglichkeiten für Ausländer, in Kuba zu studieren oder auch an Kursen teilzunehmen, Einzelheiten können gerne bei uns erfragt werden. Am Dienstag (25.5)
morgen starten wir um 05:00 Uhr früh 200 km über Land nach Moa.
Moa ist eine Industriestadt, in der es 4 Fabriken für Nickel und Chrom
gibt. Die Stadt hat 70 000 Einwohner und 2 Krankenhäuser, eine
Kinderklinik und ein Allgemeinkrankenhaus. Nach einem Empfang im Rathaus
besichtigen wir mit der Bürgermeisterin das 30 Jahre alte
Allgemeinkrankenhauses mit 400 Betten. Es geht wieder zu wie bei
einem Staatsempfang. Die gesamte Krankenhausdirektion ist bei unserer
Ankunft am Eingang vollständig versammelt und führt uns durch das
ansprechende Gebäude. Hier werden auch Dialysegeräte von uns eingesetzt
werden. Als besondere Wünsche werden genannt: ein
Wasseraufbereitungsgerät für die Dialysegeräte und ein neues
Blutgasanalysegerät. Es handelt sich um das älteste Blutgasanalysegerät,
das ich in meinem Leben gesehen habe, und für das es mit Sicherheit
keinerlei Ersatzteile mehr gibt. Auch hier ist ein Ultraschall Siemens
SL1 vorhanden, zu dem ein Vaginalschallkopf fehlt. Am Mittwoch,
unserem letzten Tag, besichtigen wir die Kinderklinik von Holguin,
die mit 610 Betten die größte Kinderklinik ganz Kubas ist. Sie
wird geführt von Frau Dr. Deysi Lorenzo Philipe, die uns herzlichst an
der Spitze ihrer gesamten Klinikleitung begrüßt. Dieses Krankenhaus
macht einen hervorragend geführten Eindruck in allen Sektoren, die wir
besichtigen. Eine ausgesprochene Liebe zum Detail ist erkennbar bei
allem materiellen Mangel. Bezeichnend dabei ist die Einstellung der
Chefärztin, die in ihr Dienstzimmer erst dann eine Klimaanlage einbauen
ließ, als alle Krankenzimmer mit Klimaanlagen versorgt waren. Die
videoendoscopische OP-Einheit, die wir überbringen, löst eine große
Freude aus. Sie ist die zweite Anlage in diesem Land, die andere
gibt es in Havanna. Die Kinderklinik in Holguin soll so entwickelt
werden, daß Reisen nach Havanna überflüssig werden, d. h. die
Kinderklinik soll mit allen diagnostischen und therapeutischen
Möglichkeiten versehen werden. Trotz aller ökonomischen Schwierigkeiten
gelang es, die Kindersterblichkeit im Jahr 1998 auf das geringste Niveau
der Geschichte zu drücken. Dann besichtigen wir die Onkologieabteilung
mit 29 Betten. Die Kinder, die dort 6 bis 9 Monate stationär bleiben
müssen (z. B. mit Leukämie), haben keinerlei Unterhaltungsangebote. Von
den vorhandenen 3 Fernsehern sind 2 defekt, Spielzeug fehlt völlig. Dem
sollte von uns eigentlich schnell abgeholfen werden können. Hauptwunsch
der Kinderklinik ist ein Ultraschallgerät, möglichst mit
Echokardiographiezusatz und Doppler. Darüber hinaus werden uns von
mehreren Abteilungen Wunschlisten übergeben. Anschließend werden wir von Reinaldo und Roberto zu einem offiziellen Mittagessen chauffiert, zu dem der Chef des neuen Klinikums eingeladen hat. Es wird für jeden eine Schweinshaxe serviert, die in Deutschland für 3 Personen reichen würde. Wir kämpfen uns tapfer durch. Dazu die drei Gläser auf dem gedeckten Tisch: das große für Wasser (Extraservice!),das mittlere für Bier und das nur wenig kleinere für Rum. Kaum sitzen wir, steht auch schon die offene Bierflasche vor mir, das Einschenken vom Rum in dieser Mittagshitze kann ich gerade noch verhindern. Trotz sich langsam einstellender Ermüdungserscheinungen nehmen wir dann noch unseren letzten Termin der Reise im Circulo Pelusin wahr, einer Kindertagesstätte für schwerhörige und geistig behinderte Kinder. Hier hatten wir auch 500 Dollar für die Renovierung des Gebäudes, neue Möbel, Hygieneartikel etc. zur Verfügung gestellt. Einiges ist bereits in Angriff genommen worden. Auch eine von uns gespendete Gefriertruhe und einen Kühlschrank, auf den die Betreuer sehr stolz sind, finden wir in der Küche wieder. Wieder werden wir überreichlich mit café cubano, Saft, Bier und belegten Broten bewirtet, die wir einfach nicht mehr schaffen. Insgesamt gesehen bin ich heute noch begeistert über die Herzlichkeit und Freundlichkeit, mit der wir überall aufgenommen und bewirtet wurden. Die Medizin hat in Kuba ein erstaunlich hohes Niveau, was die personellen Kapazitäten betrifft. Mangel an Ärzten, Schwestern oder Pflegern gibt es nicht und es ist bewundernswert, wie die kubanischen Kollegen mit den materiellen Notlagen immer wieder durch Improvisation fertig werden, um ihre Patienten optimal zu versorgen. Im Vergleich zu
vielen anderen Ländern Lateinamerikas sehe ich auf Kuba keine Slums, ich
sehe auch auf dem Lande überall Elektrizität und überwiegend
Steinhäuser ( deswegen und wegen guter Schutz- u. Evakuierungspläne hat
auch der Hurrikan "Mitch", der Zentralamerika verwüstete und viele Tote
kostete, in Kuba neben zerstörten Feldern nur 6 Tote gekostet) .Ich sehe
ein flächendeckend organisiertes Gesundheitswesen, in dem an
entscheidender Stelle oft Ärzte und Ärztinnen sitzen mit großem
Engagement bei durchschnittlich 15-30 $ Monatsverdienst. Für die weitere
Arbeit der Kubahilfe sehe ich als Ergebnis dieser Reise folgende
Prioritäten: Kuba ist eine
andere Welt. Kuba ist faszinierend durch seine Menschen, durch seine
Musik. Kuba hat im Gesundheitswesen im Vergleich zu vielen anderen
Ländern der dritten Welt extrem viel erreicht, ich kenne keinen Staat,
der mehr erreicht hätte. Hasta la proxima
vez! Dr. med. Herbert
Querfurt PS. Nach unserer Rückkehr erfahre ich, daß Fidel die " Universidad iberoamerica" gegründet hat. Dort sollen 10000 junge Menschen aus den ländlichen Gebieten Zentralamerikas zu Ärzten ausgebildet werden. Die Ausbildung erfolgt kostenlos, es besteht für die jungen Menschen nur die Verpflichtungen in den ländlichen Gebieten ihres Staats zu arbeiten. "Es kommt nicht darauf an, den Menschen der dritten Welt mehr zu geben sondern Ihnen weniger zu stehlen." Jean Ziegler Aber solange es ist, wie es ist, helfen wir, wo, wie, wann immer wir können, während wir gleichzeitig versuchen, die Verhältnisse grundlegend zu verändern. Verschickte Übersee-container nach Cuba und Mali: 110 Webseite durchsuchen ...
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