Desinformationskampagne gegen Cuba
Ein Artikel in der FAZ und ein Artikel im Deutschen Ärtzteblatt führten zu zahlreichen Leserbriefen, welche
die Berichterstattung kritisierten. Lesen Sie selbst ...
Der Artikel der FAZ
Artikel aus der Frankfurter Rundschau:
KUBA
Sextouristen füllen Castros Kasse auf
Als Reiseziel lockt die
karibische Insel viele Deutsche an. Das Regime freut sich über ihre
devisenträchtigen Urlaubskassen. Das ärgert Menschenrechtler.
VON
SABINE HAMACHER (FRANKFURT A.M.)
Wer sich an den Stränden Kubas
in der Sonne aalt, trägt wesentlich dazu bei, dass sich das
menschenverachtende Regime von Fidel Castro an der Macht halten kann: So
zugespitzt lautet die These der Internationalen Gesellschaft für
Menschenrechte (IGFM). Den Deutschen komme dabei eine besondere
Verantwortung zu, weil sie nach den Kanadiern die meisten Urlauber in
dem Inselstaat stellten. Anlass für die IGFM, eine Kampagne zu starten.
Informationsblätter, verteilt auf Flughäfen und in Reisebüros, sollen
das Bewusstsein der Reisenden schärfen.
"Die Einnahmen aus dem
Tourismus, fast zwei Milliarden US-Dollar im Jahr, kommen vorrangig dem
kubanischen Militär und damit der Regierung zugute", berichtet die
Exil-Kubanerin Laida Carro, Vorsitzende der Coalition of Cuban-American
Women. Das Militär verdient an den Urlaubern, laut einem Bericht von Pax
Christi International, auf direktem Weg als Mitbesitzer teurer Hotels,
sowie indirekt durch Beteiligungen an Firmen, die die Tourismusindustrie
aufbauen. An der Bevölkerung läuft das Geschäft hingegen vorbei; den
Kubanern sei es sogar verwehrt, sich an den eigenen Stränden zu sonnen,
weil diese den Hotels gehören.
"Der gewöhnliche Urlauber weiß das
alles gar nicht", beklagt Carro am Dienstag im FR-Gespräch in Frankfurt
am Main. Das soll die Kampagne "Bewusst reisen" nun ändern, für die
Carro mit der IGFM zusammenarbeitet. Vor allem der boomende Sextourismus
sei der Regierung Castro mehr als recht - insbesondere seit die
Geldquelle Sowjetunion nach deren Zusammenbruch versiegt ist. Offiziell
wies Castro jüngst empört die Vorwürfe von US-Präsident George W. Bush
zurück, seine Regierung fördere den Sextourismus auf der Karibikinsel.
"Dies sind unbeschreibliche und grobe Verleumdungen", sagte der Diktator
und beschimpfte Bush als "Alkoholiker und Analphabeten".
Doch laut
Protection Project, einer Bürgerrechtsorganisation der Johns Hopkins
Universität, ist Kuba inzwischen für Pädophile und Sextouristen das
attraktivste Ziel, noch vor Südostasien. Die Presse habe über
ausländische Urlauber berichtet, die nach Kindern unter 14 Jahre
verlangt hätten. Wegen der Armut in Kuba ist das Angebot an Partnern für
bezahlten Sex groß. Generell, erklärt Carro, seien Sextouristen
besonders spendabel und besonders unkritisch gegenüber den politischen
Missständen im Land.
Die IGFM rät aber nicht pauschal ab vom
Kuba-Urlaub. Wer persönlich mit Kubanern über ihre Lage reden wolle,
könne einen wertvollen Beitrag für die Menschenrechte leisten. Für
Interessierte habe man Tipps, "wie man auf der Insel zum Beispiel für
Meinungsfreiheit eintreten kann, ohne andere und sich selbst zu
gefährden". So würden die Menschenrechtsverletzungen des seit fast 45
Jahren regierenden Regimes nicht einfach ignoriert.
Carro und ihre
Mitstreiter stehen in ständigem Kontakt zu Menschenrechtsaktivisten in
Kuba. Viele sitzen seit Jahren unter elenden Bedingungen im Gefängnis,
oft sind sie psychisch oder physisch krank. Ein unzensiertes Bild von
den üblen Zuständen in ihrer Heimat, die sie vor mehr als 40 Jahren
verlassen hat, bekommt Carro von den Flüchtlingen, die täglich in
Florida ankommen und " ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Kuba zu
verlassen."
www.igfm.de
Leserbriefe zu diesem Artikel in der FAZ
KUBA
Warnung an Pädophile
Lesermeinung zu Sextouristen
füllen Castros Kasse auf (FR S. 1 vom 8. September)
Da der größte
Teil meiner kubanischen Familie in Havanna lebt (andere kubanische
Angehörige wohnen in Miami/Florida und in Hamburg) danke ich der
Frankfurter Rundschau dafür, dass sie meiner zweiten Heimat einen
Vierspalter auf der ersten Seite widmet. Durch diesen Artikel erfahren
Ihre Leser von skandalösen Missständen, die mir - trotz zahlreicher
Aufenthalte in den letzten 25 Jahren - bisher verborgen geblieben waren.
So informiert ihre Autorin darüber, dass es Kubanern verwehrt ist, "sich
an den eigenen Stränden zu sonnen". Das war mir neu. Vermutlich sind die
unzähligen kubanischen Familien, die an Wochenenden die Strände
bevölkern, geschickt getarnte Armeeangehörige. Ihr Artikel klärt darüber
auf, dass vor allem das Militär vom Tourismus profitiert, während das
"Geschäft an der Bevölkerung vorbeiläuft". Die zigtausend Beschäftigten
in Hotels, Freizeiteinrichtungen, Einkaufszentren, Reisebüros,
Busunternehmen und Taxi-Ketten, denen die Branche Jobs und
Familieneinkommen sichert, kann man ruhig vernachlässigen. Und die
vielen spielenden Kinder, von denen ich naiv annahm, sie würden ihre
schulfreie Zeit genießen, sind für "das menschenverachtende Regime von
Fidel Castro" (FR-Zitat) in Wahrheit offenbar nur ein Mittel, um
Heerscharen pädophiler Sextouristen ins Land zu locken, um sie gegen
Dollars zu versorgen.
Spätestens bei der Darstellung dieser für viele
Entwicklungsländer bedrückenden Probleme hätte Ihrer ansonsten sehr
geschätzten Zeitung ein wenig Recherche gut getan.
Sozialpolitische
Programme
Wie kein anderes Entwicklungsland versucht Kuba seit Jahren
mit einer Vielzahl von pädagogischen und sozialpolitischen Programmen
der in allen Ländern der "Dritten Welt" zunehmenden Prostitution
entgegenzuwirken. Nicht ohne Erfolg: Bei annähernd gleicher
Einwohnerzahl gibt es in Havanna deutlich weniger Prostituierte als in
meiner Heimatstadt Hamburg. Pädophile, die sich möglicherweise zu einem
"Abenteuer-Urlaub" auf Kuba ermuntert sehen, seien ausdrücklich gewarnt:
Schon der Versuch des Kindesmissbrauchs wird dort verfolgt und auf das
Schärfste bestraft. Die Chance, unentdeckt zu bleiben ist - dank der in
vielen Hotels ausliegenden Warnungen und geschulten Personals - äußerst
gering.
Urlaubern, die sich erholen und vielleicht auch informieren
möchten, kann ich nur ermuntern, sich ein eigenes Bild von Land und
Leuten zu machen. Die Widersprüchlichkeiten eines Entwicklungslandes,
das nach über 40 Jahren erdrückender Wirtschaftsblockade noch immer
versucht, ein soziales System aufrecht zu erhalten, das Rentenansprüche
für Arbeitnehmer und Sozialhilfeleistungen für Bedürftige, kostenlose
Bildung und Gesundheitsversorgung für alle Bürger sowie kulturelle und
sportliche Entfaltungsmöglichkeiten für alle Bevölkerungsteile
garantiert, hat eine differenziertere Betrachtung verdient.
Übrigens:
Meine kubanischen Verwandten, die jetzt in Miami leben, haben nicht "ihr
Leben aufs Spiel gesetzt, um Kuba zu verlassen". Da sie zu den wenigen
Kubanern gehören, denen die USA (entgegen anders lautender
Vereinbarungen) eine Einreiseerlaubnis erteilt haben, sind sie bei ihrer
Übersiedlung mit der regulären Maschine von Havanna nach Miami geflogen.
Von kubanischer Seite gab es dabei keinerlei Probleme.
PS. Wie Sie
eventuell Ihrem Archiv entnehmen können hat Präsident George Bush am 6.
Mai 2004 die Ergebnisse einer von Außenminister Colin Powell geleiteten
"Kommission für ein freies Kuba" bekannt gegeben und eine Reihe von
Maßnahmen zu dessen Destabilisierung angekündigt. Zu den weltweiten
Aktivitäten, die im 1. Kapitel des 450 Seiten langen Powell-Berichts
beschrieben werden, gehören unter anderem (Punkt 12): "Aktionen in
Drittländern, um den Tourismus nach Kuba zu destimulieren."
Volker Hermdorf, Hamburg
Kubas Vorzüge
Zu: Sextouristen
füllen Castros Kasse auf (FR Nachrichten vom 8. September)
Als
oftmaliger Besucher in Kuba finde ich ihren Artikel empörend. Von
welchem Kuba fantasieren sie da? Prostitution und Sextourismus gibt es
leider auch auf Kuba, aber im Vergleich zu anderen Ländern z.B. der
Dominikanischen Republik auf einem wesentlich niedrigeren Niveau. Von
den Tourismuseinnahmen profitiert Castro, in dem er seinem Volk ein
Gesundheitssystem finanzieren kann, das das Beste in ganz Lateinamerika
ist. Die Dominikanische Republik hat eine sechsmal höhere
Kindersterblichkeit und eine zehn Jahre geringere Lebenserwartung als
Kuba, das in diesen Indikatoren die führende Position in Lateinamerika
einnimmt (Quelle: Spiegel Jahrbuch 2004). Deshalb auch meine Bitte.
Reisen Sie bewusst. Wenn sie nicht wollen, dass Ihr Geld bei den großen
transnationalen Konzernen landet, sondern einem solidarischen
Gesellschaftssystem zu gute kommt, bei dem die gesamte Bevölkerung davon
profitiert, dann reisen sie nach Kuba.
Lothar Wannhoff, Dormagen
Dorn im Auge der USA
Als ich im Mai für 14 Tage
mit dem Auto auf eigene Faust durch Kuba fuhr, muss ich in einem anderen
Land gewesen sein als dem, das die Internationale Gesellschaft für
Menschenrechte (IGfM) in dem Artikel der FR schildert. Keinem Kubaner
war es verwehrt, an den Stränden von Varadero, Cienfuegos, Trinidad oder
Playa del Este zu baden. An allen Touristenzielen waren auch viele
Einheimische zu finden. Nicht nur in den Hotels, sondern auch in den von
Kubanern frequentierten Bars und Cafés flimmerte CNN (auf spanisch) über
den Bildschirm. Die Dollars, die wir in den kleinen privat geführten
Restaurants bezahlten, als Trinkgeld für Zimmermädchen hinterließen oder
den - meist selbst ernannten - Parkwächtern gaben, wurden von den
Kubanern offensichtlich selbst wieder in den vielen Dollarläden
ausgegeben.
Die sicherlich vorhandene Armut - insbesondere in den
ländlichen Gebieten - war deutlich geringer als in anderen
lateinamerikanischen Staaten. Man fühlte sich zu jeder Tages- und
Nachtzeit sicher, und dass das Gesundheits- und Erziehungswesen auf Kuba
besser ist als sonst in der Dritten Welt, dürfte sich allgemein
herumgesprochen haben. Was soll also das Horrorgemälde von Sextourismus
und einem "menschenverachtenden Regime", das die IFGM ausbreitet?
Natürlich ist es den USA ein Dorn im Auge, dass sich das Castro-Regime
nach dem Zerfall des Ostblocks mittels einer weit verbreiteten und nicht
zuletzt auch von Touristen gespeisten Dollar-Wirtschaft quasi am eigenen
Schopf aus dem drohenden Staatsbankrott gezogen hat. Das strikte Verbot
des Handels mit Kuba für US-Unternehmen treibt seltsame Blüten: So
können Kreditkarten von US-amerikanischen Banken nicht akzeptiert
werden, weil diese Banken kein Geld nach Kuba überweisen dürfen
(europäische Kreditkarten werden ohne Weiteres angenommen).
Amerikanische Staatsbürger dürfen nur nach Kuba ausreisen, wenn sie dort
Verwandte haben (die DDR lässt grüßen). Und trotzdem gelingt es Kuba,
sich nicht nur wirtschaftlich über Wasser zu halten, sondern seine
Städte und Dörfer sowie die Infrastruktur sichtbar auszubauen. Diesem
Ärgernis soll jetzt mit der Kampagne der IFGM offenbar entgegengetreten
werden. War die IFGM nicht einmal der Kampfbund unter Führung eines
Gerhard Löwenthal zur Ausrottung des Kommunismus? Jetzt hat diese
Gesellschaft anscheinend ein neues Betätigungsfeld gefunden. Es bleibt
zu hoffen, dass sie damit Schiffbruch erleidet.
Dr. Walter
Unger, Maintal
Leserbrief und Gegendarstellung: Betrifft Ihren Artikel
„Sextouristen füllen Castros Kasse auf“ vom 8.9.2004 von Sabine Hamacher
„Da sträuben sich doch bei Ihrem Artikel selbst die Schamhaare“
In der „Erklärung von Havanna“ am 2.9.1960 legte Fidel Castro
die Basis des neuen cubanischen Staates fest. Er basiert auf dem Recht
auf Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie Ernährung, Obdach und
Versorgung mit essentiellen gesellschaftlichen Ressourcen wie Bildung,
Arbeit, Alters- und Gesundheitsversorgung. Dieses Ziel war in dem
bekannten politischen und ökonomischen Kontext angesichts der
andauernden völkerrechtswidrigen und mörderischen Aggressionen und den
finanziellen Möglichkeiten der USA nicht mit den bürgerlichen in der
Praxis wenig nachhaltigen Individualrechten (zunehmend Recht des
Stärkeren und den daraus resultierenden Fehlentwicklungen) vereinbar,
wegen anderer Prioritäten sicherlich auch nicht gewollt. Dass der
cubanische Staat seine Ziele ernst nimmt, sieht man unter anderem daran,
dass die Bettenzahl von 28.000 im Jahre 1959 auf 72.000 in den 90iger
Jahren aufgestockt wurde. Als Vorsitzender einer nicht gerade kleinen
humanitären NGO ( Humanitäre Cubahilfe e.V. mit Sitz in Bochum) mit
medizinischen Projekten in Zusammenarbeit mit dem BMZ, der GTZ, dem Land
NRW und anderen Stellen kann ich allein für die Ostprovinz Holguin einen
erheblichen Transfer der Deviseneinnahmen gerade auch aus dem Tourismus
in soziale Projekte bezeugen. Trotz erheblicher ökonomischer
Schwierigkeiten wurden allein in der Provinz Holguin mit knapp 1,5
Millionen Einwohnern 3 neue Krankenhausprojekte realisiert mit ca . 800
Betten. Ferner wurde eine große Schule für die Ausbildung von
Sozialarbeitern gebaut und in Betrieb genommen und eben mal das
Dengue-Fieber erfolgreich bekämpft. Mehr als 15.000 cubanische Ärzte
arbeiten derzeit weltweit in medizinischen Krisengebieten. 2004 in Haiti
hielten die cubanischen Ärzte ihre Stellung, während alle anderen
zivilen Helfer wegen der Unruhen das Land verließen. Sind dies alles
typische Merkmale einer menschenverachtenden Einstellung, das Werk von
Finsterlingen oder eines Unrechtstaates? Der für die westliche Welt
gigantische 12 %ige Anteil des Staatshaushalt steht auch in schwierigen
Zeiten allein für die medizinische Versorgung der Cubaner zur Verfügung.
All dies beweist einen erheblichen stattfindenden Transfer aus dem
Devisensektor ( Tourismus, Zucker, Nickel, Tabak...) in soziale Bereiche
und nicht vorwiegend wie behauptet in den militärischen Bereich. Über
die enorme Förderung des Bildungssystems kann und will ich an dieser
Stelle nicht auch noch berichten. Dieses cubanische Gesundheitswesen
wird von zahlreichen internationalen Experten als vorbildlich
bezeichnet, insbesondere auch von der Weltgesundheitsorganisation- WHO-
, dem welthöchsten Gremium in Gesundheitsfragen. Das in Cuba Erreichte
und Entworfene beeinflusste sogar die Entwicklung von Maßstäben und
Leitlinien der WHO . Ihr Text beruft sich allein und tendenziös auf die
Zitierung mehr als dubiöser Kronzeugen, die für Ihren
rechtskonservativen Kontext bekannt, wenn nicht gar berüchtigt sind .
Die wohl von Ihnen als Maßstab und Quelle benannte Internationalen
Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ist eine Organisation, die die
Apartheid in Südafrika, die Contras in Nicaragua unterstütz hat, die bei
Mun Kongressen auftritt, deren Vorstandsmitglieder für die REP
kandidiert haben etc. Dass diese Organisation jetzt als
Erfüllungsgehilfe von Herrn Bush auftritt, ist nicht verwunderlich, aber
dass die FR diese Linie und die genannten Inhalte 1: 1 transportiert,
zeigt, welche Macht diese Leute jetzt schon haben. Und wenn man schon
den Finger hebt, sollte man sich einmal vor der eigenen Haustür
umschauen, vielleicht auch in den USA ( z.B. Der „gute Terror“
http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/18166/1.html), in Russland,
Kolumbien, Guatemala, Israel… Das tun die zitierten Quellen in ihren
sonstigen statements typischerweise nicht. Denn sie haben ihre
speziellen Feindbilder und ihre ganz spezielle Ideologie.
****************************
Am 6.Mai verschärften die USA drastisch
den Kalten Krieg gegen Cuba mit dem erklärten Ziel des Sturzes dieser
Regierung, wörtlich „schneller den Tag herbeizuführen, an dem Cuba ein
freies Land sein wird“. Mit welchem Recht? Mit welcher Legitimation? Und
was die Amerikaner unter Freiheit verstehen, haben sie längst
ausreichend in Afghanistan und im Irak bewiesen und bei der Beachtung
der Menschenrechte und der Genfer Konvention weltweit! Beispiele würden
Seiten füllen! So will man jetzt „die Unterstützung für die innere
Konterrevolution, die Intensivierung der internationalen Kampagnen gegen
Kuba, den Ausbau von Maßnahmen , die auf Subversion und Desinformation
abzielen sowie neue Maßnahmen zur Schädigung der kubanischen Ökonomie“
etc. ausbauen. Hierzu werden zumindest 59 Millionen offizielle Gelder
zur Verfügung gestellt. Ein wichtiger Teil in diesem Plan ist eine
Schwächung der cubanischen Wirtschaft, speziell des Cubatourismus. Und
vor diesen Karren lässt sich jetzt auch die FR spannen ! Ich fasse es
nicht! Im Juli 2004 sprach der moralisch inzwischen völlig
disqualifizierte Präsident der USA erstmalig von einem verkommenen
cubanischen System, das die Prostitution, gerade auch von Kindern,
fördere und deshalb schnellstmöglich beseitigt werden müsse. Alle
Insider konnten vor soviel Demagogie nur den Kopf schütteln. Viele
Mitglieder unserer Organisation sind regelmäßig auf Cuba, bewegen sich
frei im Lande, im cubanischen Milieu und kennen auch den touristischen
Bereich. Ich selbst war zuletzt im Februar-März im Lande und muss die
verleumderischen, doch so leicht zu durchschauenden Anschuldigungen
vehement zurückweisen. Das ist weit unter der Gürtellinie Lesen Sie doch
einmal das Interview, das die Junge Welt zu diesem Thema im Juli mit dem
international renommierten und prämierten Exilcubaner Raul Fornet-Betancourt
geführt hat http://www.jungewelt.de/2004/07-30/018.php. Da sträuben sich
doch bei Ihrem Artikel selbst die Schamhaare. Eins haben Sie sicherlich
erreicht: Sie haben bewusst oder schlecht informiert, schlecht
recherchiert , gleichsam als 5. Kolonne und verlängerte Arm der Bush –
Clique, diesem Cuba Schaden zugefügt, einem Cuba , das für uns Westler
manchmal schwer verständlich sein mag, einem Cuba , das seine Fehler hat
und seine Fehler macht, das aber nicht die Hölle ist, wie von
interessierter Seite und jetzt von Ihnen gerne und immer wieder
behauptet wird . Vielmehr kann uns , die wir auf der Speckseite dieser
Welt leben, dieses Cuba immer wieder beschämen und menschliche Werte
vermitteln und fühlen lassen. Und wenn Sie über die Hotelsituation
schreiben, warum sagen Sie nicht, dass die besagten Hotels in der Regel
Joint-Venture- Unternehmungen sind mit den Gewinnen für die Investoren
und den Arbeitsplätzen für Kuba? Auch dass eine entsprechende Kampagne
"Strände für Einheimische" vielleicht mal mit der Dominikanischen
Republik. beginnen müsste, wo nicht nur ein oder zwei, sondern fast alle
attraktiven Badestrände den Ausländern vorbehalten sind. – Aber es gilt
ja ganz speziell Cuba zu treffen . Ihre unglaublich negative, schiefe
und falsche Cubaberichterstattung bräuchte soviel Raum für
Gegendarstellungen und deren seriöse Dokumentation, dass es diesen
Leserbrief mehr als sprengen würde.
Wenn ich als niedergelassener
Internist und Vorsitzender einer rein humanitären Cubaorganisation mich
derart über diesen Artikel aufrege, mag Ihnen dies einen Eindruck
vermitteln über die „Qualität und Ausgewogenheit“ ihres Beitrages auf
der 1. Seite der FR.
Mit zornigen Grüßen Dr.med. Klaus Piel
Unterstr.7 44892 Bochum 0234 288784
Artikel aus dem deutschen Ärzteblatt
Korzilius, Heike
Menschenrechte in
Kuba: Schattenseiten der Sonneninsel
Deutsches Ärzteblatt 101,
Ausgabe 38 vom 17.09.2004, Seite A-2510
POLITIK

Jose und Laida Carro im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt: „In Kuba
herrscht ein regelrechtes medizinisches Apartheid- System.“ Foto:
Eberhard Hahne
Der Arzt und Menschenrechtler Jose Carro kämpft
aus dem Exil in den USA für Freiheit und Demokratie in Kuba. Zugleich
prangert er die miserablen Zustände im Gesundheitssystem an.
Palmen, Strand und Meer – Kuba erfreut sich als Reiseziel wachsender
Beliebtheit. Abgeschirmt von den Einheimischen, gerät in den
„Touristenparadiesen“ allerdings die soziale und politische Realität der
Insel leicht aus dem Blickfeld. Seit 45 Jahren regiert der Welt
dienstältester Diktator Fidel Castro Kuba mit eiserner Hand.
Menschenrechtler, die gegen das Verbot der Versammlungsfreiheit
verstoßen oder öffentlich Kritik am Regime äußern, müssen mit
langjährigen Haftstrafen unter katastrophalen Bedingungen rechnen.
Die jüngste Verhaftungswelle rollte 2003 über das Land – als die
weltweite Aufmerksamkeit sich auf den beginnenden Irakkrieg richtete.
Damals seien 75 Menschenrechtler, darunter vier Ärzte und zwei
Zahnärzte, verhaftet worden, berichtet der Arzt und Menschenrechtler
Jose Carro im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Einer von ihnen,
der Arzt Oscar Elias Biscet, wurde unter anderem wegen „Respektlosigkeit
gegenüber den nationalen Symbolen und Anstiftung zum Ungehorsam“ zu 25
Jahren Gefängnis verurteilt. Biscet, der Carro zufolge zurzeit in
Isolation gefangen gehalten wird, leidet unter Bluthochdruck, der nur
unzureichend medizinisch versorgt wird. Zudem habe er seit Beginn seiner
Haft 30 Kilogramm an Gewicht verloren. „Wir machen uns große Sorgen um
die physische und psychische Gesundheit des Gefangenen“, sagt Carros
Ehefrau Laida, die in direktem Kontakt mit Angehörigen der Inhaftierten
steht. „Hunger, Vernachlässigung und verweigerte medizinische Hilfe
werden systematisch eingesetzt, um die Gefangenen seelisch zu brechen“,
erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen
Gesellschaft für Menschenrechte. Diese Missstände anzuprangern und für
Solidarität mit den politischen Gefangenen zu werben ist ein Motiv für
die Europareise der Carros, die dabei auch Abgeordnete des
Europa-Parlaments auf die desolate Menschenrechtslage in Kuba aufmerksam
gemacht haben.
Für desolat hält Carro, der bereits seit seinem
zwölften Lebensjahr im Exil in den USA lebt, auch die Zustände im
kubanischen Gesundheitssystem. „Es ist einer von Castros Mythen, dass es
erst seit der Revolution ein funktionierendes Gesundheitswesen in Kuba
gibt“, erklärt der Arzt. „Dabei sind die Zustände dort jetzt teilweise
schlechter als Ende der 50er-Jahre.“ Den offiziellen Statistiken glaubt
Carro nicht. Sie ließen sich nicht verifizieren, sagt er. Zwar sei die
Arztdichte beeindruckend für ein so kleines Land – ein Arzt versorgt
theoretisch 170 Einwohner –, aber den gut ausgebildeten Ärzten fehlten
die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten, um ihre Patienten
angemessen versorgen zu können. Es mangele an allen gängigen
Medikamenten, an Decken und Nahrungsmitteln. „Oft müssen die Patienten
sogar die Glühbirnen mit ins Krankenhaus bringen, damit sie dort Licht
haben“, so Carro. „Der Mangel liegt in der desolaten Wirtschaftslage
begründet. Außerdem fließt ein großer Teil der Einnahmen aus dem
Tourismus oder der Zuckerproduktion in den Militärapparat.“ Um ihren
Medikamentenbedarf decken zu können, sind viele Kubaner auf Hilfe aus
dem Ausland angewiesen. Zwischen 1992 und 2000 sind Carro zufolge
Medikamente im Wert von vier Milliarden Dollar an Kuba gespendet worden.
Doch nicht alle leiden unter dem System. Für die politische Elite und
Touristen werden Einrichtungen vorgehalten, die durchaus westlichen
Standards entsprechen. „Es ist ein regelrechtes medizinisches
Apartheid-System“, kritisiert Carro. Jährlich rund 400 000 Anträge auf
Visa für die USA sprechen nach Ansicht des Exil-Kubaners ihre eigene
Sprache – vor allem weil derartige Ausreiseanträge für die Antragsteller
niemals folgenlos bleiben. Vor diesem Hintergrund wird Carro nicht müde,
die internationale Gemeinschaft um moralische und materielle
Unterstützung für die Menschenrechtler zu bitten, die in Kuba gewaltlos
für Freiheit und Demokratie eintreten. Heike Korzilius
Die
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) beschäftigt sich
seit Jahren kritisch mit der politischen Lage in Kuba.
Kontakt:
IGFM, Borsigallee 9, 60388 Frankfurt/Main, Telefon: 0 69/42 01 08-0,
Fax: 42 01 08 33, E-Mail: info@igfm.de,
Internet: www.igfm.de
Leserbriefe zum Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt
Leserbrief zu "Kuba -
Schattenseiten der Sonneninsel" von Heike Korzilius, Deutsches
Ärzteblatt Heft 38/ 2004
Sie zitieren in Ihrem Artikel zu den
Menschenrechten auf Kuba kritiklos Herrn José Carro, einen Arzt und
Vertreter der sogenannten "Internationalen Gesellschaft für
Menschenrechte", IGFM, einer Organisation aus dem Umfeld der
ultrarechten Exilkubaner in Miami. Im Zusammenhang mit Kuba von
Medizin-Apartheid zu sprechen, ist besonders aus dem Munde eines
Sprechers der IGFM anmaßend. Schließlich ist diese Organisation bereits
1987 von der UNO-Generalversammlung als Handlanger des rassistischen
Regimes Südafrikas verurteilt worden und unterstützte außerdem Präsident
Reagan, der seinerzeit mit seinen Contra Nicaragua "demokratisierte",
was Nicaragua 50.000 Tote, eine korrupte Regierung nach der andern, 60 %
anämische, unterernährte Kinder, heute kämpfende Truppen im Irak und den
USA wieder einen treuen Bundesgenossen beschert hat. José Carro ist
damals aus Kuba in die USA geflüchtet. In ein Land, dass sich ja wohl im
Hinblick auf Menschenrechte - und zwar weltweit - auch nicht gerade
vorbildlich verhält. Warum wird in Ihrem Artikel nicht mit einem
einzigen Satz der Ort auf Kuba erwähnt, an dem am meisten Menschenrechte
gebrochen werden, und zwar durch die USA, dem neuen Heimatland von Herrn
Carro: Guantanamo? Nebenbei bemerkt hat Kuba einen niedrigen
Militärhaushalt. (z.B. erheblich weniger als der der BRD). Wäre es aber
so abwegig, wenn Tourismuseinnahmen Kubas in die Verteidigung fliessen
würden angesichts der übermächtigen militärischen Bedrohung duch die
Vereinigten Staaten? Ich erinnere an die sogenannte "Achse des Bösen",
zu der G. W. Bush auch Kuba zählt! Herr Carro von der IGFM hätte
sicherlich gern die die Annektion Kubas, damit dort am besten endlich
"Menschenrechte", am besten wohl wie zur Zeit im Irak, herrschen können.
Und haben Sie, Frau Korzillius, schon mal darüber nachgedacht, dass die
"schlechte Versorgung mit technischer Ausrüstung und Medikamenten"
(übrigens als sogenanntes "Entwicklungsland" auf einem vergleichsweise
hohem Niveau) auch der von den USA verhängten seit vierzig Jahren
andauernden Handelsblockade Kubas zuzuschreiben ist? Das Helmes-Burton-
und das Toricelli-Gesetz verbieten JEDEM den Handel mit Kuba! Angesichts
dieser erschwerten Handelssituation und der internationalen Isolierung
Kubas kann ich dem Inselstaat und den engagierten Menschen, die im
dortigen Gesundheitssystem arbeiten, nur meine Hochachtung zollen,
trotzdem das Bestmögliche daraus zu machen!!!
Olaf Hähnke,
Berlin
Betr. Ihr Artikel über Cuba
Sehr geehrte Damen und
Herren,
mit Bedauern musste ich Ihren Artikel im Ärzteblatt zur
Kenntnis nehmen.
Dieser Artikel entwirft ein Zerrbild von Cuba,
das mit der Wirklichkeit wenig zu tun hat.
Ich bin seit 7 Jahren
2mal pro Jahr in Cuba und habe Kontakt zu vielen Ärzten dort und kenne
persönlich viele Gesundheitseinrichtungen. Nichts von dem ,was sie
geschrieben haben, trifft die Realität.
Cuba baute z.B. in der
Provinz Holguin (1,7 Mill. Einwohner) in den letzten Jahren 3 neue
Krankenhäuser , diese Baumaßnahmen wurden finanziert mit den
Deviseneinnahmen aus dem Tourismus.
Im Gegensatz zu ganz
Lateinamerika gibt es in Cuba eine flächendeckende Versorgung bis ins
letzte Dorf und sie ist kostenlos. Ich habe die Menschenschlangen in all
den cubanischen Krankenhäusern gesehen. In dem Zusammenhang von einer
„Apartheidmedizin“ zu sprechen ist bösartig und verleumderisch. Genau
das ist das cubanische Gesundheitswesen nämlich nicht - im Gegensatz zu
allen anderen zentralamerikanischen Ländern, wo die Apartheid darin
besteht, dass sich ein gut teil der Bevölkerung aus finanziellen Gründen
überhaupt keine Behandlung leisten kann.
Ich unterstütze gerade
ein Projekt der Einrichtung von Diabeteszentren in jeder
Provinzhauptstadt Cubas, die eine flächendeckende Versorgung aller
Diabetiker gewährleisten wird.
In Cuba werden
Organtransplantationen in größerem Umfang durchgeführt. Wo in der
dritten Welt finden sie das noch ? Die Transplantationen sind übrigens
ausschließlich Cubanern vorbehalten, obwohl man dafür leicht viele
Dollar von Ausländern erhalten könnte. Geschieht aber nicht - trotz all
der wirtschaftlichen Not, die zweifelsohne vorhanden ist.
Was sie
ebenfalls in Cuba nie sehen werden , sind Strassenkinder oder auch Slums
am Rand der Städte. Solche Erfolge hat man aber nur, wenn man für alle
Bevölkerungsgruppen sorgt.
Und das ist genau das Gegenteil von
Apartheid!
Ich könnte noch viel schreiben zu diesem Artikel, das
sprengt aber den Rahmen eines Leserbriefs,
Vielleicht könnten Sie
sich ja entschließen , einmal einen deutschen Arzt, der die Verhältnisse
sehr genau kennt, einen Artikel schreiben zu lassen, der die komplexe
cubanische Wirklichkeit spiegelt , statt dass das Ärzteblatt ohne jede
kritische Anmerkung einem Exilkubaner seine Spalten weit öffnet.
Dr. med. H.Querfurt 45134 Essen
Rübezahlstr.16
Tel.
0201-4309988
querfurt@t-online.de
In der „Erklärung von Havanna“ am 2.9.1960 legte Fidel Castro
die Grundlagen des neuen cubanischen Staates fest. Er basiert im
wesentlichen auf dem Recht der Befriedigung elementarer Bedürfnisse wie
Ernährung, Obdach und Versorgung und dem Zugang zu essentiellen
gesellschaftlichen Ressourcen wie Bildung, Arbeit, Alters- und
Gesundheitsversorgung. Dieses Ziel wurde im Gegensatz zu den fast allen
übrigen Entwicklungsländern trotz vieler interner und v. a. auch
externer Schwierigkeiten nur in Cuba erreicht. Die bei uns so in den
Vordergrund gestellten bürgerlichen Individualrechten (mit ihren Stärken
aber auch zunehmenden Schwächen) hatten und haben in einem
asymmetrischen Quasi-Kriegszustand mit den USA für Cuba nicht die
allererste Priorität. Dass der cubanische Staat seine sozialen Ziele
allerdings ernst nimmt, sieht man unter anderem daran, dass die
Bettenzahl von 28.000 im Jahre 1959 auf 72.000 in den 90iger Jahren
aufgestockt wurde und inzwischen selbst im Urwald Familienarztpraxen
(und auch Zwergschulen) existieren. Kaum einem cubanischen Kind fehlen
seine 13 Impfungen (1999), einschließlich Hepatitis und Meningitis. Mehr
als 15.000 cubanische Ärzte arbeiten derzeit weltweit in medizinischen
Krisengebieten. 2004 in Haiti hielten die cubanischen Ärzte ihre
Stellung, während alle anderen zivilen Helfer wegen der Unruhen das Land
verließen. Sind dies alles typische Merkmale eines diktatorischen
Unrechtstaates?
Und ist es etwa seriös, wenn man die materiellen
Ressourcen Europas, Japans und der USA mit den wirtschaftlichen
Möglichkeiten Cubas vergleicht? Muss man Cuba nicht eher mit anderen
Ländern der 3. Welt vergleichen, um eine richtige Vergleichsebene zu
haben?. Ich habe mal ausgerechnet, dass einem Cubaner gegenüber einem
Deutschen nur der 200. Teil für die gesundheitliche Versorgung zur
Verfügung steht. Das sind immerhin 12 % des cubanischen Staatshaushalt,
der auch in schwierigen Zeiten allein dem medizinischen Sektor zur
Verfügung stand und steht. Bei uns ist dieser Anteil deutlich geringer.
Und die meisten Medikamente, medizinisches und nichtmedizinisches
Equipment müssen zu teilweise höheren Preisen als bei uns auf dem
Weltmarkt gekauft werden. Warum erwähnt man nicht auch die
völkerrechtswidrige US- Blockade gegen Cuba als wichtige Mitursache der
schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse ? Diese Blockade hat bisher
einen wirtschaftlichen Schaden von mindestens 50 Milliarden US-Dollar
verursacht .
Ja und dann wieder die böse Geschichte von der
Zweiklassenmedizin. Als gäbe es so etwas nicht auch bei uns und überall
auf diesem Globus. Allerdings werden die Erlöse des Medizintourismus in
Cuba und nur in Cuba zu einem erheblichen Teil wieder im Land für
soziale Einrichtungen investiert. Wie gerne würden der Staat und die
cubanischen Kollegen Ihren Patienten eine ähnliche medizinische
Ausstattung wie bei uns zur Verfügung stellen. Aber wie soll das
finanziert werden? In Kuba herrsche ein regelrechtes medizinisches
Apartheid- System, untertiteln Sie, sachlich falsch und beleidigend.
Denn die Cubaner werden im Gesundheitssystem eben nicht vom Staat
ausgegrenzt und marginalisiert wie es in anderen Ländern dieser Welt für
breite Bevölkerungsschichten die Regel ist. Hier von Apartheid zu
sprechen, ist für mich , ist für uns pure Demagogie und Teil der von den
USA gesteuerten Propaganda und Desinformation gegenüber Cuba. Es ist
wahr, dass in Cuba an materiellen Dingen ein großer Mangel existiert, es
herrscht aber ein Überfluss an Menschlichkeit, Solidarität und
Lebenskunst .
Dieses cubanische Gesundheitswesen wird jedenfalls
von zahlreichen internationalen Experten als vorbildlich bezeichnet,
insbesondere auch von der Weltgesundheitsorganisation, der WHO , dem
welthöchsten Gremium in Gesundheitsfragen. Das in Cuba Erreichte und
Entworfene beeinflusste sogar die Entwicklung von Maßstäben und
Leitlinien der WHO .
Als Vorsitzender einer nicht gerade kleinen
humanitären NGO ( Humanitäre Cubahilfe e.V. –HCH- mit Sitz in Bochum)
mit medizinischen Projekten in Zusammenarbeit mit dem BMZ, der GTZ, dem
Land NRW und anderen Stellen kann ich allein für die Ostprovinz Holguin
einen erheblichen Transfer der Deviseneinnahmen gerade auch aus dem
Tourismus in soziale Projekte bezeugen. Trotz erheblicher ökonomischer
Schwierigkeiten wurden allein in der Provinz Holguin mit knapp 1,5
Millionen Einwohnern in den letzten Jahren 3 neue Krankenhausprojekte
realisiert mit ca . 800 Betten. Ferner wurde eine große Schule für die
Ausbildung von Sozialarbeitern gebaut und in Betrieb genommen und eben
mal das Dengue-Fieber in 2002/2003 erfolgreich bekämpft, landesweit.
Krankenhäuser werden derzeit nach und nach gemäß eimes Prioritätenplanes
renoviert und einrichtungsmäßig neu bestückt, ebenfalls läuft ein sehr
ehrgeiziges Schulprojekt ( traumhaft kleine Klassen, PC-Ausstattung und
andere moderne Medien, etc).
Die HCH ist im 9. Jahr auf Cuba
tätig, der Verein war zuletzt im Februar/März dieses Jahres mit einer
größeren Gruppe vor Ort, Vorstandsmitglieder weilen mehrfach im Jahr auf
der Insel mit freiem Zugang zu allen Gesundheitseinrichtungen .Die in
ihrem Artikel vermittelten Eindrücke vermag keiner dieser Cubainsider zu
bestätigen. Hinsichtlich des Rechtssystems und der Gefängnisse auf Cuba
wäre auch noch viel zu sagen. Da gibt es auch ganz andere Darstellungen.
Sie haben nur die hier im Westen gewohnte Berichterstattung wieder
aufgewärmt, es gibt aber auch andere, die demnächst in Deutschland in
Buchform publiziert werden wird. Ich könnte natürlich auch leicht auf
die Behandlung von Gefangenen durch die USA im In- und Ausland verweisen
oder auf die Zustände in vielen Gefängnissen dieser Welt. Die Zustände
dort scheinen der IGFM wohl permanent zu entgehen. Sie hat ja ihren
speziellen Fokus.
Und dann hat Cuba außerdem noch die Frechheit,
einen Teil der erwirtschafteten Devisen in den Militärapparat zu
stecken, der allerdings anders als in anderen Ländern allein der
Landesverteidigung dient. Sollen die Cubaner sich denn nicht einmal bei
der nächsten völkerrechtswidrigen Invasion der USA wehren dürfen?. Wie
sagte Rumsfeld vor 1 Jahr so süffisant: „ Next stop in Havana“. Die USA
geben in diesem Jahr mehr als 450 Milliarden Dollar allein für die „
Verteidigung“ aus und nur 15 Milliarden für Entwicklungshilfe (Quelle
Weltbank). Wo bleibt denn da der Aufschrei ihrer Kronzeugen?
Ihr Text
beruft sich allein und tendenziös auf die Zitierung mehr als dubiöser
Quellen, die für Ihren rechtskonservativen Kontext bekannt, wenn nicht
gar berüchtigt sind . Die v. a.. von Ihnen als Maßstab benannte
Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) ist nach meinen
Unterlagen eine Organisation, die die Apartheid in Südafrika, die
Contras in Nicaragua unterstützt hat, die bei Mun- Kongressen auftritt,
deren Vorstandsmitglieder für die REP kandidiert haben , eine
Organisation, die einmal als Kampfbund unter der Führung eines Gerhard
Löwenthals angetreten ist, den Kommunismus auszurotten. Noch heute
fokussiert die IGFM das politische Geschehen unter diesem Blickwinkel,
ist auf allen anderen Augen blind. Man braucht hierzu nur ihre mehr als
einseitige homepage anzuschauen. Und wenn man schon den Finger hebt,
sollte man sich einmal vor der eigenen Haustür umschauen, vielleicht
auch in den USA, in Guantanamo, in Russland, Kolumbien, Guatemala, in
der Dominikanischen Republik, in Haiti … Das tun die zitierten Quellen
typischerweise nicht. Denn sie haben ihre speziellen Feindbilder und
ihre ganz spezielle Ideologie. Und was meinen Sie, in welchem und in
wessen Auftrag die Miamicubaner unterwegs sind ? <Wichtig in diesem
Kontext ist zu wissen, dass die USA am 6.Mai 2004 den Commission Report
veröffentlichen, ein verschärfter Maßnahmenkatalog in Bezug auf den
Kalten Krieg gegen Cuba mit dem erklärten Ziel des Sturzes dieser
Regierung, wörtlich „schneller den Tag herbeizuführen, an dem Cuba ein
freies Land sein wird“. Mit welchem Recht, mit welcher Legitimation,
kann man da nur fragen. Und was die Amerikaner unter Freiheit verstehen,
haben sie längst ausreichend in Afghanistan und im Irak bewiesen und bei
der Beachtung der Menschenrechte und der Genfer Konvention weltweit!
Beispiele würden Seiten füllen!
Auf Cuba bezogen will die
Bush-Administration neben der Wirtschaftsblockade jetzt „die
Unterstützung für die innere Konterrevolution, die Intensivierung der
internationalen Kampagnen gegen Kuba, den Ausbau von Maßnahmen , die auf
Subversion und Desinformation abzielen sowie neue Maßnahmen zur
Schädigung der kubanischen Ökonomie“ etc. ausbauen. Hierzu werden
zumindest 59 Millionen offizielle Gelder zur Verfügung gestellt. Ein
wichtiger Teil in diesem Plan ist eine Schwächung der cubanischen
Wirtschaft, speziell des Cubatourismus . Aus diesem Grunde läuft derzeit
eine konzertierte Aktion weltweit, um Cuba jetzt mit allen Mitteln
sturmreif zu schießen ! Mit im Boot ist die IGFM, die
Informationsblätter auf Flughäfen und in Reisebüros verteilt, „um das
Bewusstsein der Reisenden zu schärfen“. Und hierzu gehört auch eine
entsprechende Pressearbeit, die wie auch im Falle des Deutschen
Ärzteblattes erfolgreich war. Dabei ist alles nur Propaganda und
Desinformation. Lesen Sie, wenn Sie mir nicht glauben, die Beiträge der
IPPNW- der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges,
Ärzte in sozialer Verantwortung, über Cuba, dann erschließt sich Ihnen
ein völlig anderes Cubabild.
Eins haben Sie mit Ihrem Artikel
sicherlich erreicht: Sie haben gestützt auf mehr als zweifelhafte
fanatisch antikommunistische Quellen diesem Cuba Schaden zugefügt, einem
Cuba , das für uns Westler manchmal schwer verständlich sein mag, einem
Cuba , das seine Fehler hat und seine Fehler macht, das aber nicht die
Hölle ist, wie von interessierter Seite gebetsmühlenartig immer wieder
behauptet wird. Vielmehr kann uns , die wir auf der Speckseite dieser
Welt leben, dieses Cuba immer wieder beschämen, es kann uns menschliche
Werte vermitteln und fühlen lassen und so zu einer notwendigen
Rückbesinnung führen.
Wenn ich mich als niedergelassener
Internist und Vorsitzender einer humanitären Cubaorganisation derart
über diesen Artikel aufrege, mag Ihnen dies einen Eindruck vermitteln
hinsichtlich der Ausgewogenheit ihres Beitrages .
Mit
zornigen Grüßen Dr. med. Klaus Piel Unterstr.7 44892 Bochum
www.hch-ev.de
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Erschütterung habe ich Ihren,
vor Polemik strotzenden Artikel über das Gesundheitssystem in Kuba
gelesen. Von einer medizinischen Zeitung, die für sich den Anspruch
vertritt, das Sprachrohr der Deutschen Ärzteschaft zu sein, hätte ich
mehr Objektivität und Sensibilität zu diesem Thema erwartet. Ohne auf
die politischen Hintergründe einzugehen (nämlich das Systematische
Aushungern des Davids Kuba durch den Goliath USA), wird dem dortigen
Gesundheitssystem insuffiziente Behandlung der eigenen Bevölkerung
vorgeworfen. Bei meinen vielen Kubareisen der letzten Jahre, habe ich
etliche sogenannte Familienärzte, besonders in ländlichen Gebieten im
Osten des Landes besucht. Immer wieder bin ich begeistert, mit welcher
Hingabe und Liebe sie ihre Patienten versorgen. Der von Ihnen verfasste
Artikel entwürdigt die Arbeit tausender kubanischer Kolleginnen und
Kollegen. Würde(span.dignidad) ist ein wichtiger Begriff in Kuba!
Mit freundlichen Grüßen Dr.med. Winfried Winter, Seligenstadt
Im Deutschen Ärzteblatt erschien ein Beitrag mit dem Titel
"Menschenrechte in Kuba: Schattenseiten der Sonneninsel" (Ausgabe 38 vom
17.09.2004, Seite A-2510). Ich halte die in diesem Artikel
wiedergegebenen Auffassungen für völlig abwegig und höchstens wenige
Einzelfälle beschreibend. Der gesamte Duktus des Textes ist
außerordentlich verzerrend und wird weder der Lage vor Ort noch den
Ursachen der teilweise existierenden Mängel in keiner Weise gerecht. Als
jemand, der mehrere Jahre bei Amnesty International direkt für die
Einhaltung von Menschenrechten engagiert war (speziell Ukraine), bin ich
der Auffassung, dass die Lage der Menschenrechte - speziell die
"bürgerlichen Freiheitsrechte" - in Kuba noch weiter verbessert werden
muss. Aber alle seriösen, neutralen und mir zugänglichen Studien und
Einschätzungen legen deutlich und eindeutig dar, dass die diesbezügliche
Gesamtlage in Kuba überdurchschnittlich positiv ist (speziell bei
Berücksichtigung der Kategorien sozialer und kollektiver
Menschenrechte!) - und im Vergleich zu vielen Nachbarländern sogar als
hervorragend bezeichnet werden kann. Erinnern möchte ich hier nur an die
skandalöse Situation von über 650 Menschen im US-Militärlager Guantanamo
(auf Kuba!) oder aber auch an Haiti, Guatemala, Kolumbien etc.!). Ein
Blick in die einschlägigen Jahresberichte von Amnesty International mag
dies bezeugen. Was leider völlig ignoriert wird sind die vielfältigen
Subversionen und Provokationen der Bush-Administration gegen Kuba, das
auf alle Arten ökonomischer, politischer, massenmedialer, diplomatischer
aber auch militärischer Aktivitäten setzt (siehe Powell-Report vom Mai
2004). Leider bezieht sich Frau Korzilius in ihrem Artikel fast
ausschließlich auf Informationen der "Internationalen Gesellschaft für
Menschenrechte", die aufgrund ihrer einseitigen ideologischen
Ausrichtung nicht Ernst genommen werden kann. Deren rechtskonservative
Schieflage ist unter Menschenrechtsexperten bekannt; ich verweise nur
auf die Studie "Die sogenannte IGfM. Eine rechte Grauzonenorganisation"
(Günter Platzdasch et al., Wiesbaden 1990), in der vielfältige
Überschneidungen mit der NPD nachgewiesen werden. In diesem Kontext
erinnern die Aktivitäten der IGfM gegen Kuba sehr an die entsprechenden
Desinformationskamapagnen des frz. Zweigs von reporters sans frontiers
(deren Ehrenpräsident engste Kontakte zu äußerst reaktionären
Exilkubanerkreisen in Miami besitzt) und einer umstrittenen
tschechischen Organisation. Es ist daher für ein Qualitätsorgan wie das
Ärzteblatt außerordentlich bedauerlich, dass neutrale ExpertInnen und
differenzierende Sichtweisen zur Thematik "Kuba und Menschenrechte"
nicht zu Wort kamen, sondern ein unzutreffendes Negativklischee lanciert
wurde. Denn viele Ärzte und Gesundheitsexperten weltweit wissen, wie
ausgesprochen hoch in Kuba menschliche Gesundheit und Würde gehalten
werden.
Dr. Edgar Göll